Vor einiger Zeit habe ich angefangen, meine "spitze Feder", die jeweils im Thalundgäuanzeiger (ein wunderschönes Wort) erscheint, hier auch reinzustellen.
Darum (und - okeoke, ich gebe es zu - weil ich sonst grad nix neues hab) hier die aktuellste Feder:
Ein Kollege wünschte mir kürzlich per SMS einen erfolgreichen Tag. Das ist an sich nicht sehr ungewöhnlich und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass schon viele andere Menschen ein solches SMS mit den besten Wünschen für einen erfolgreichen Tag erhalten haben. Gut gemeint ist es ganz bestimmt. Und vor allem sehr bezeichnend für unsere Gesellschaft. Denn Erfolg ist das, was zählt. Wer erfolgreich ist, ist attraktiv. Erfolg macht stark. Erfolg scheint die Voraussetzung zu sein für ein gutes Leben.
Bloss: Was ist Erfolg? Viele Geschäftsabschlüsse? Eine gelungene Präsentation? Ein gut gekochtes Essen? Irgendwie kann so ein kleines SMS ganz schön viel Stress auslösen. Muss ich jetzt tatsächlich erfolgreich sein? Was passiert mit mir, wenn ich keinen Erfolg habe? Und wie um Himmels Willen weiss ich am Abend, ob der Tag denn tatsächlich erfolgreich war?
Mir gefällt die buchhalterische Bedeutung von Erfolg. Erfolg ist ganz einfach das, was am Schluss resultiert: Verlust oder Gewinn. Erfolg kann also positiv oder negativ sein. Folglich ist ein Tag immer erfolgreich – auch wenn alles in die Hose geht. Ein tröstlicher Gedanke. Er verleiht mir Gelassenheit. Denn der Erfolg kommt ja so oder so.
Die meisten Menschen machen aber nun mal lieber Gewinn statt Verlust. Bloss finde ich es irgendwie einfacher, Gewinn zu machen, als Erfolg zu haben. Gewinn ist ein Lächeln, eine neue Erkenntnis, fünf Minuten Ruhe, ein interessantes Gespräch, etc. etc.
Ich gewinne gerne.