Samstag, 1. Oktober 2016

Handwerker...?

Ich sitze an der Rezeption.
Ja, ihr hört richtig, an meiner neuen Rezeption kann man auch sitzen. Da muss ich mich noch ein bisschen dran gewöhnen. Es ist nicht so ein hoher Hocker, an den man eher anlehnt, nenei du. Es ist ein ganz richtiger Stuhl, auf dem man – also frau, wir sind ja ausschliesslich Frauen – sitzt wie an einem ganz normalen Pult. Und das wiederum bringt dann mit sich, dass ich die Gäste von unten her angucken muss. Quasi anhimmeln. Ein komisches Gefühl. Das vertraue ich hier mal der Welt an, egal, was ihr dann halt von mir denken mögt. Ich bin halt sonst schon eher kurz und die Leute gucken auf mich runter. Manchmal wär's schon schön, ein bisschen länger zu sein. Also stehe ich doch recht oft an der Rezeption. Geht auch.
Item.
Das ist ja jetzt auch gar nicht die Story, die ich euch erzählen wollte.
Ich wollte eigentlich sagen:
Ich sitze an der Rezeption. Neben mir J., meine Vorgängerin, die mich einarbeitet. Eine super sympathische Erscheinung. Wir unterhalten uns gerade intensiv über unser PMS (nein, in diesem Falle meine ich jetzt weder PräMenstruelles Syndrom, noch PostMistake Syndrom, sondern unser Property Management System – alles klar soweit?)
Ohoh, schon wieder abgeschweift. Man möge mir meine etwas verwirrten Gedankengänge verzeihen. Es ist noch früh am Morgen (also jetzt, als ich das schreibe, nicht als ich sitze. Also ich sitze schon, aber nicht an der Rezeption sondern eben im Zug) und ich bin etwas abgelenkt von meinem neuen Ohrwurm. Zudem sitze ich im Zug und die Frau neben mir isst eine Banane, die furchtbar intensiv riecht. Also, die Banane, mein ich.
So, jetzt aber!
There it goes! Konzentration.
Ich sitze an der Rezeption. Neben mir eben die J. Soweit alles klar.
Da geht die Tür auf und ein Mensch (man beachte die neutrale Form, denn ich weiss noch nicht, ob Mann oder Frau) kommt zur Tür rein. In schwarz gekleidet, schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, etwas verwaschen, ausgeleiert, die Haare kurz, irgendwie auch schwarz, wirken auch etwas verwaschen. An der Hand trägt der Mensch einen grossen – Überraschung – schwarzen (ha!) Koffer. Nach einem zweiten Blick stelle ich fest, dass da Brüste unter dem Tiischii sind. Ergo ist es wohl eine Frau. Sie geht an uns vorbei Richtung Lift. Niemand beachtet sie gross. Auch nicht die Direktorin, die ebenfalls grad in der Lobby steht. Hmm. Verstehe ich nicht so ganz. Ich folgere dann daraus, dass diese Person (ist es jetzt wirklich eine Frau?) irgendwie zum Haus gehört. Wahrscheinlich ein Handwerker. Also eine Handwerkerin. Was ja prima passt, denn bei uns arbeiten ja ausschliesslich Frauen.
Nun, kurz darauf steht sie (ja, es ist eine Frau!) dann an der Rezeption. Aus nächster Nähe betrachte ich nun den irgendwie maskulinen Körper, das kantige Gesicht, die kurzen Haar, die kräftigen Hände. Wer ist denn das?
Dann endlich werde ich vorgestellt.
Damen und Herren: Es ist eine unsere Masseurinnen!

Nicht ganz überraschend habe ich mich in diesem Moment entschieden, mich bei einer anderen Masseurin einzubuchen.