Ich warte noch immer auf meine definitive Steuerveranlagung für 2015. Da ich bis Ende April auf Reisen war, konnte ich meine Steuererklärung nicht fristgerecht Ende Februar – oder ist das Januar? - einreichen. Schon die Fristverlängerung war ein Cabaret. Schliesslich habe ich es dann tatsächlich geschafft, dass ich nach dreiwöchiger Wartezeit und einer Nachfrage meinerseits eine Antwort von der Steuerbehörde auf meine Email erhalten hatte. Jawohl, meine Fristverlängerung wurde bewilligt und ich hatte Zeit, meine Steuererklärung für 2015 bis Ende Juni einzureichen. Das hab ich auch gemacht.
Soweit so gut.
Nun ist Ende Oktober und ich warte noch immer auf die definitive Veranlagung. Gemäss Steuerbehörde kann es nach der Einreichung bis acht Monate (!) dauern, bis dieser Zettel dann endlich ins Haus flattert und mir mitteilt, ob ich noch Schulden habe oder eben doch ein Guthaben – worauf ich natürlich sehr hoffe. Mitte August hab ich dann mal nach gehorcht, wie das denn aussieht mit dieser definitiven Veranlagung. Die Dame war sehr freundlich und hat mit mir zusammen ausgerechnet, mit wie viel Steuern ich zu rechnen habe. Die frohe Botschaft folgte sogleich: Ich hatte schon zu viel bezahlt. Und erwarte nun logischerweise eine Rückvergütung. Was ich dann wiederum auf's 2016 umbuchen könnte, da ich ja noch nix gezahlt hab für dieses Jahr (OMG!!!)
Soweit so gut.
Die nette Dame hat mir auch gesagt, dass sie meine Steuererklärung nicht bevorzugt behandeln könne. Ich solle mich Mitte November noch mal melden und dann darum bitten, meine Erklärung vorzuziehen.
So, das habe ich gestern gemacht. Jaja, ich weiss, es ist noch nicht Mitte November. Aber ich hatte halt grad Zeit. Also rief ich bei der Steuerbehörde an., um mich zu erkundigen, wie es denn so aussieht mit diesem Fackel und wie viel ich denn für das aktuelle Jahr mal zahlen soll.
So.
Da kam ein Herr ans Telefon. Ich weiss seinen Namen nicht mehr, aber „Oberkompliziert“ würde es ganz gut treffen. Madremia! Ich bezeichne mich ja als geduldigen Menschen. Aber wenn ein Mensch so kompliziert ist und mir auf fünf verschiedene Varianten immer wieder das gleiche sagt, dabei aber keine Lösung für mein Problem findet, dann werde ich echt grantig! Irgendwann war's mir dann zu blöd und ich hab ihm mitgeteilt, dass ich für's 2016 halt einfach mal ein bisschen was einzahle. Das war dem Herrn dann auch nicht recht. Da müsse jetzt die Rechnung angepasst werden, bevor ich etwas zahlen könne. Und dann hat er mir in einer unglaublichen Langsamkeit vorgerechnet wie wo was mit meinen Steuern los ist. Und ja, ich hätte halt meine Erklärung erst so spät eingereicht und man müsse halt schon damit rechnen, dass es acht Monate dauern könne, bis da alles durch sei. Das war mir dann echt zu viel und mit einem lauten Seufzer gab ich dem Herrn bekannt, dass ich jetzt dann auch zum Bund wechseln werde. Dort scheine es ja nicht so zu pressieren. Okeee, das war möglicherweise nicht ein wahnsinnig geschickter Schachzug, um rascher an meine definitive Veranlagung zu kommen. Denn Herr Oberkompliziert erklärte mir darauf mit weinerlicher Stimme (echt! Keine Übertreibung!), wie das da bei ihnen zu und her gehe. Das sei nicht so, wie man das von aussen oft denke, und es sei traurig, dass wir (also alle, die nicht beim Staat arbeiten) das so sehen, als würden die da einfach ein bisschen in den Computer gucken.
Mannmannmann – So ein Oberheini! Muss ich jetzt noch Mitleid mit dem haben oder was? Ich meine, wenn ich potenzielle Hotelgäste zwei Tage auf eine Offerte warten lasse, haben sie ganz sicher schon an einem anderen Ort gebucht. Blöderweise habe ich als Steuerzahlerin nicht die Wahl, wo ich meine Erklärung einreiche. Nächstes Jahr mach ich sie aber grad dann, wenn ich das Couvert im Briefkasten habe. In der scheuen Hoffnung, dass ich nie mehr mit dem Oberheini telefonieren muss und einfach meine Moneten abliefern darf!