Heute nach der Arbeit will ich grad ins Training. Wobei meine Arbeit in Zürich ist und mein Training in Luzern. Ergo fällt da eine Zugfahrt an. Fünfzig Minuten. Also genug Zeit, um mich in Ruhe umzuziehen. Denk ich mir zumindest. Nun ist es so, dass ich meist mit dem Velo unterwegs bin und somit gezwungen, im Velowagen zu sitzen. Was unglücklicherweise auch der Familienwagen ist – doch dazu ein anderes Mal...!
Also, ich sitze im Velowagen. In der Rushhour. Das wiederum bringt mit sich, dass nebst den Sitzplätzen auch das WC arg besetzt ist. Sogar so sehr, dass es sich selbst schliesst, weil die Schüssel voll ist! Ja, ein Hoch auf die Technologie! Ich will aber nicht mit meinem Rucksack durch den ganzen Zug zum nächsten WC marschieren, mich umziehen und dann zurückmarschieren. Zum Glück habe ich Glück und ein netter Kondukteur schliesst mir das WC auf. Natürlich nur, weil ich ihm glaubhaft versichern kann, dass ich mich nur umziehen will. So kommt es, dass ich vor den Augen zahlreicher Mitfahrgäste in meinem zurzeit schönsten Kleid und meinen neuen Lieblingshacken ins WC-Kabäuschen schlüpfe.
Dann: Nase zu – die Schüssel ist tatsächlich seeeehr voll.
Und los geht's! Kleid weg. Hacken weg. Strümpfe weg. BH weg. Möglichst wenig Zehen- und Fussanteile auf den dreckigen Boden stellen. Keine Kleider irgendwo hinlegen, wo es grusig aussieht. Dann Sporttenue an (also BH, T-Shirt, Sweat-Shirt, Pulli, Leggins, Socken - hoffentlich keinen Fusspilz geholt - Turnschuhe). Im Eiltempo notabene! Dann alles in den Rucksi verstauen, doch noch kurz in die volle Schüssel brünzeln (und dabei hoffen, dass das bei voller Schüssel keinen Alarm auslöst) und dann als komplett andere Person wieder aus dem Kabäuschen rauskommen.
Ich find's amüsant. Auch den überraschten Augenaufschlag meines Gegenübers am Sitzplatz.
Woran ich leider nicht gedacht hab: Regenjacke (und das, obwohl ich jetzt schon zehn Jahre in Luzern wohne und eigentlich wissen sollte, wie oft es hier regnet!). So kommt's, dass ich zu meinem Sport-Outfit meinen neuen, superschicken, langen schwarzen Mantel mit goldenen Knöpfen trage. Gewagte Kombi, möchte man da denken. Ich find auch das amüsant. So egal war's mir schon lange nicht mehr, was die anderen von mir denken.
Und das steht mir verdammt gut!
I like it!!