Leute, ihr kennt es ja schon! Zürich ist für Velofahrerinnen ein Dschungel, eine nervenaufreibende Angelegenheit, eine ständig drohende Todeszone.
Seit ich hier mit dem Velo unterwegs bin, hab ich schon viel gelernt und ich bin in diesen drei Jahren viel vor- und umsichtiger geworden.
Nicht NACHsichtiger.
Ich ärgere mich noch immer, wenn mir ein fetter Mercedes mit getönten Scheiben den Velostreifen versperrt. Und ich finde es auch nicht cool, wenn mir so ein Bonzen-Auto den Vortritt nimmt. Und ich begrüsse es auch ganz und gar nicht, dass so viele MitvelofahrerInnen wie Irre durch Zürich düsen. Rote Ampeln blenden sie aus. Schmale Fahrgassen sehen sie als Challenge, das Tram überholen ist eine morgendliche Herausforderung und andere Velofahrerinnen links und recht überholen ist das Normalste der Welt.
Ich mag das alles nicht. Es ist so anstrengend. So viel Verkehr, so viele Autos, Lastwagen, Trottis, Trams und dann auch noch die Fussgänger.
Und die schlimmsten sind die Fussgänger, die ganz offensichtlich noch nie auf einem Velo gesessen sind. Jedenfalls nicht auf einem, das auf der richtigen Strasse fährt. Höchstens eines, das in einem schicken Fitness-Center steht und das ihnen grad sofort den Fettverbrauch mitteilt. Solche zwei Exemplare habe ich heute angetroffen. Also, nicht die Fitness-Center-Velos, sondern eben zwei Typen, die höchstens auf solchen Velos unterwegs sind. Die zwei Herren waren auf dem Fussgängerstreifen. Es kam zur Abwechslung grad mal kein Auto. Nur ich mit dem Velo. Der Fussgängerstreifen ist grad unterhalb einer Steigung. Ich sehe die zwei Typen. Sie sehen mich. Kurzer Blickkontakt. Ich bin sicher, dass sie ihren Schritt verlangsamen, damit ich nicht abbremsen muss und mit dem nötigen Schwung in den Berg starten kann. Ich meine, so würde es doch jeder Mensch machen, der immerhin ein ganz kleines bisschen Erfahrung mit Velofahren hat, oder? Vor dem Berg abbremsen zu müssen, ist das Dämlichste was es gibt. Das wissen die zwei Herren mit ihren Züri-Hipster-Käppis jedoch nicht. Mein Fehler: Ich habe sie falsch eingeschätzt. Mein Tempo auch ein wenig... Zum Glück konnte ich grad noch ausweichen, so dass ich mit einem genervten Zungen-Schnalzer hinter den beiden Messiös durchdüsen konnte. Was für eine kleine Anstrengung wäre es für sie gewesen, zwei Schritte langsamer zu gehen. Für mich war es dann ein runterschalten, ein strammes Strampeln und vor allem ein grosses Ärgern bis ich wieder im Schwung war.
Immerhin, es hat mir eine Geschichte geliefert. Und das beste: einer der zwei hat mir noch belehrend hinterher gerufen "Fussgängerstreifen".
Mannmannmann - hier liegen die Nerven blank. Da lob ich mir doch die Furka - da hatte ich nicht mal mehr Energie zum Ärgern.
Und euch hier sei gesagt: Seid ihr jemals zu Fuss unterwegs und auf dem Fussgängerstreifen und ein Velo kommt, dann bitte bitte bitte: Lasst dem Velo den Vortritt. Es ist eine sehr nette Geste und wird geschätzt!