Meine Lieblings-Arbeitsschuhe haben ein Loch im Absatz. Heja! Ich habe sie auch ganz oft an.
Bis auf das Loch im Absatz sind die Schuhe noch tiptop. Also entschliesse ich mich, die Schuhe zum Schuhmacher zu bringen.
Am Bahnhof werde ich sofort fündig. Ich zeige meine Schuhe, der Schuhmacher blickt fachkundig drauf und erklärt mir, dass ich zu spät komme, da müsse er wohl noch ein bisschen abschleifen. Ja ok, ich bin halt wirklich viel damit gelaufen. Und jetzt sind sie wortwörtlich durchgelatscht. Jänu, flicken kann man es dennoch. Vierunddreissigfünfzig kostet es. Ich bezahle, bekomme ein Ticket und die Information, dass ich übermorgen meine Schuhe abholen kann.
Soweitsogut.
Übermorgen - also gestern - mach ich mich dann mit meinem Ticket auf den Weg zum Schuhmacher. Ich strecke ihm mein Nümmerli hin und sage, dass ich die Schuhe abholen will. Hinter dem netten Schuhmacher hängen und liegen viele Säcke und Tüten mit Schuhen drin. Alle haben ein Nümmerli drauf. Ganz viele verschiedene Nummern gibt es da.
Bloss meine nicht.
Meine Nummer ist nicht da.
Und nicht nur die Nummer ist nicht da. Mit ihr zusammen sind auch noch grad meine Schuhe verloren gegangen! Ja Mensch! Kann denn das sein? Hat da jemand jetzt meine Lieblings-Schuhe mit nach Hause genommen und ich muss irgendwelche anderen Latschen mitnehmen? Das kann doch nicht sein!
Der Schuhmacher kann es auch nicht glauben.
Er sucht fleissig.
Ich helfe aus der Ferne. Und erlaube mir dann, einen Schritt in die Werkstatt zu machen. Vielleicht liegen da ja meine Stiefelchen irgendwo rum.
Fehlanzeige.
Ich drehe einige Tüten um und studiere die Nummer.
Fehlanzeige.
Ich greife nach einigen Plastiksäcken, in der Hoffnung, darin die Form meiner Schuhe zu erkennen.
Fehlanzeige.
Das ist jetzt doof.
Für mich.
Und für den Schuhmacher auch. Er versteht die Welt nicht mehr.
Und ich bin auch etwas ratlos.
Er notiert noch mal meine Telefonnummer und meint, er werde suchen und mich anrufen, wenn er die Schuhe gefunden habe.
Bloss: Ich will meine Schuhe JETZT! Und nicht vielleicht in ein paar Tagen, wenn sie irgendwo hinter einem alten Regal zum Vorschein kommen. Und vor allem: Ich BRAUCHE die Schuhe! Okeeokee, drei bis fünf Varianten, jaja, ich weiss. ABER! Ich will jetzt hier einfach nicht ohne meine Schuhe raus!
Also insistiere ich, dass wir weitersuchen. Ich habe die Idee, alle Tüten auszupacken. Ich würde auch helfen. Der Schuhmacher zuckt mit den Schultern und weigert sich, jedes Schuhsäckli wieder auszupacken.
Gut, dann warte ich halt einfach so, bis die Schuhe wieder kommen. Ich lehne mich unglaublich lässig (oder auch leicht provokativ) an den Tresen. Und gucke ein bisschen in alle Richtungen. Und lasse den Schuhmacher suchen.
Und:
Wer sucht - der findet!
Nur ein paar Minuten später streckt mir der nette Herr meine Schühchen entgegen und meint "gefunden"!
Juhuu!
Und erst noch blitzblank geputzt!