Freitag, 22. Juli 2022

Geschlechter in der Sprache

Es nervt mich immer wieder, dass die weibliche Form in Texten noch immer so oft ignoriert wird. Ich erinnere mich an eine Zeit, da nervten mich Frauen, die auf die explizite Nennung der weiblichen Form bestanden. Ich fand es nicht so schlimm, dass ausschliesslich von Zuschauern, Lesern, Mitarbeitern, Kollegen, etc. gesprochen und geschrieben wurde.
Nun fühle ich anders. Und ich finde es wichtig, dass beide Geschlechter, und vollständigkeitshalber auch die neuen Geschlechterformen, zum Ausdruck kommen.
Zum Abschluss unserer ersten Ferienwoche waren T. und ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Eine grosse Produktion zum 900-Jahr-Jubiläum einer Gemeinde in unserer Nachbarschaft. Es hat mich beeindruckt, was mit Freiwilligenarbeit alles möglich ist. Ich bin ein Vereinskind und es inspiriert mich, wenn Menschen sich freiwillig für etwas engagieren.
Auf der Bühne war ein Orchester, ein Jugendorchester, eine Big Band und ein Turnverein. Frauen und Männer in ungefähr ausgeglichener Anzahl. Die Aufführung war kurzweilig und abwechslungsreich.
Zum Schluss bedankte sich der Präsident bei den involvierten Personen.
Ich sass in der dritten Reihe, hatte also prima Sicht auf alles und der Präsident offensichtlich prima Hörkontakt zu mir. Denn als er von den Musikern und Turnern sprach, sagte ich (wohlweislich nicht im Flüsterton) "und Turnerinnen". Er hielt kurz inne. T. schnaufte genervt und reagierte aus meiner Sicht abschätzig über meinen Einwand. Kurz schämte ich mich. Ich wollte T. nicht in Verlegenheit bringen. Aber FUCK! Da standen so viele Frauen auf der Bühne und sie werden nicht erwähnt? Ich finde es gut, dass ich etwas gesagt habe. Scheiss auf Konventionen. Ja, für einmal wähle ich solche Wörter und es tut gut! Ich habe es so satt, in einem Korsett zu stecken. (Aber das ist eine andere Geschichte).
Und der Redner schaffte den Twist und erwähnte dann auch die Turnerinnen. Immerhin in diesem einen Satz wurden die Frauen namentlich erwähnt. Den Rest seiner Ansprache verweilte er dann wieder in der männlichen Form.
Hier in Deutschland fällt mir das viel mehr auf als in der Schweiz. Sogar Frauen sprechen von sich als "Mitarbeiter". Das befremdet mich. Ich finde es sinnvoll, alle Menschen in die Sprache einzubinden.