Neulich hatte ich eine fast schlaflose Nacht. Schuld daran waren zwei Männer. Tönt eigentlich nicht schlecht, doch wie man weiss, ist die Realität immer weniger schön...
Also, so gehts.
Nach einem ereignisreichen Arbeitstag hüpfe (oder so ähnlich...) ich in meinem Haus die Treppen hoch zu meiner Wohnung. Es ist der Tag, an dem ein neuer Nachbar in die Wohnung im zweiten Stock gezogen ist. Im ersten Stockwerk angelangt höre ich ein Geräusch, das tönt wie ein Hund, der schläft. Super, denke ich mir, hat der neue Nachbar doch tatsächlich auch noch einen Hund. Im zweiten Stockwerk tönt das so laut, dass ich realisiere, dass der erst noch VOR der Tür schläft. Das heisst, ich muss daran vorbei. Nice. Erst im dritten Stockwerk sehe ich den "Hund" - es ist mein Nachbar vor dritten Stock, Herr W....! Da liegt er vor seiner Wohnungstür und schnarcht...! Kein schöner Anblick, wie er da so liegt, ein Bein in der Höhe, Hosenschlitz offen, Mund offen, Sabber raus... Da wär mir ein Hund lieber gewesen! Der Herr schläft so fest, dass er mich gar nicht wahrnimmt, wie ich vor ihm stehe, ihn ein bisschen rüttle und frage, ob er nicht lieber ins Bett gehen würde... Na denn, es bleibt mir nichts anderes übrig, als über meinen Nachbarn zu klettern und ihn liegen zu lassen.
Wenig später liege ich im Bett und schlafe zu "lieblichen" Schnarchgeräuschen aus dem dritten Stock ein. Jedoch dauert mein Schlaf nicht lange. Kurz nach dem Einschlafen werde ich freundlicherweise durch meinen Lieblingsnachbarn geweckt... Er poltert so laut an seine Tür, dass das Haus zittert! Aber auch das nützt nix, seine Tür geht nicht auf. Aber das kann der liebe Herr wohl fast nicht glauben, jedenfalls poltert er munter weiter! Da gibts nichts, ignorieren ist unmöglich. Also ziehe ich mich an und steige die Treppe wieder runter. Da steht er, Hosenschlitz noch immer offen, ein leicht schiefer, und vor allem betrunkener Nachbar, der verzweifelt mit seinem Schlüsselbund vor der Tür steht. Auf die Frage, ob ich etwas helfen könne, meint er "i chume eifach nüm ine" - aha, das hab ich ja noch nicht gemerkt... Auch ich probiere jeden Schlüssel an seinem Bund, aber keiner will die Tür öffnen. Ich frage ihn, ob nicht vielleicht seine Frau von innen den Schlüssel hat stecken lassen. Nein, die sei in Deutschland. Ob dann vielleicht das Schloss ausgewechselt worden sei, meine ich scheu (heja, so wie die jeweils miteinander gutschieren, könnte ja auch das noch sein). Aber das scheint es auch nicht zu sein.
Hier gibts nichts anderes als den Schlüsseldienst. Also rufe ich am Morgen um eins über Umwege bei einem Schlüsseldienst in der Region an, der sich dann auch tatsächlich auch dazu überreden lässt, jetzt noch vorbei zu kommen. Nice, denke ich, dann ist ja jetzt alles klar und ich kann wieder ins Bett. Der Herr vom Schlüsseldienst wird's dann schon richten.
Aber ja, liebe Freunde, ihr könnt es euch schon denken, die Geschichte ist noch immer nicht zu Ende! Denn kaum liege ich im Bett und bin endlich wieder eingeschlafen, klingelt es an meiner Tür! Jawohl, richtig! Es KLINGELT an MEINER Tür! Ignorieren hilft auch hier nichts und ich melde mich am Lautsprecher. Überraschung, es ist Herr W., der unten vor der Eingangstür steht, wahrscheinlich den Schlüsseldienst reinlassen wollte und in seinem Suff die Tür ins Schloss hat fallen lassen. Nun ja, dieses Problem ist ja zum Glück schnell gelöst, Einfach Türöffner drücken und der Dubel kann rein! Und ich wieder ins Bett. Doch es wäre ja nicht lustig, wenn ich jetzt einfach einschlafen könnte. Kaum liege ich nämlich im Bett, klopft es an meiner Tür. Jawohl richtig! Es KLOPFT an MEINER Tür! Und nun endlich reisst meine Geduld! Das ist der grösste Scheiss, den ich je erlebt habe und ich bin echt stinkhässig, als ich mich zum xten Mal an diesem Abend wieder anziehe und die Tür aufreisse! Ich bin schon bereit, Herrn W. in seinen offenen Hosenschlitz zu treten, ehrlich! Aber vor meiner Tür steht nicht Herr W. sondern ein sympathischer junger Mann, der auch nicht glücklicher aussieht als ich. Der Schlüsseldienst. Er muss sich vergewissern, dass Herr W. tatsächlich hier wohnt und er nicht einem Psychopathen die Tür aufbricht. Naja, das verstehe ich irgendwie. Und dem Schlüsseldienst tut's ja echt leid. Und ich glaube, er wäre auch lieber im Bett, als einem besoffenen und stinkenden Typen die Tür aufzuschliessen. Mittlerweilen bin ich so wach, dass es mir auch nicht mehr drauf an kommt und ich mich auf die Treppe setze und dem Schlüsseldienst bei der Arbeit zuschaue. Schliesslich sieht man nicht jeden Tag, wie ein Schloss geknackt wird. Doch das Schloss ist nicht zu knacken. Es bleibt nichts anderes, als am Morgen um zwei mit der Bohrmaschine das Schloss auszubohren - das mach fast keinen Lärm... Nice. Ich frage mich echt, was meine anderen Nachbarn in dieser Nacht gemacht haben.
Naja, irgendwann liess sich die Tür dann öffnen, Herr W. konnte rein und ich endlich ins Bett!
Und das Happy-End der Geschichte: Zwei Tage später stand eine Maxi-Packung Lindorkugeln vor meiner Tür mit einem Post-it dran:" Vielen Dank, freundliche Grüsse, jw". Immerhin...!