Dienstag, 2. August 2011

I love my job!

Also, das war ja vielleicht mal wieder ein Tag in der Jugi... Eigentlich begann es einigermassen ok. Keine Überbuchung, jedenfalls keine unlösbare, Kontingente geschlossen, Emails beantwortbar, Arrivée-Liste erträglich, keine Gruppen im Haus, schönes Wetter, 1. August, iisipiisi...
Aber äbe, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Und das ganze Übel, wenn man es denn überhaupt so nennen kann, begann so um halb 11 am Abend, als Seongmin anrief und schon halb aufgelöst meinte, sie komme erst um Mitternacht am Bahnhof in Luzern an. Erfahrungsgemäss ist es für Asiaten schwierig, in der Nacht unser Haus zu finden, also sag ich der nervösen Frau, sie solle ein Taxi nehmen.
So.
Dann kommt Familie Espagnol an. Mama, Papa, 2 Kinder (8 und 12 Jahre). Es ist ca. halb 12 am Abend. Ich habe mich schon lange drauf gefreut, dass ich heute Spanier im Hause habe und meine bescheidenen Spanisch-Kenntnisse anwenden kann. Nun, so bescheiden sind meine Kenntnisse gar nicht! Jedenfalls habe ich es tatsächlich geschafft, der Familie zu erklären, dass sie die Betten selber anziehen müssen, die Bettwäsche morgen wieder zurück bringen, dass das eben eine Jugendherberge und kein Hotel sei, etc. etc. Nach 10 Minuten im Zimmer kommt Papa zurück, völlig genervt; seine Kinder können nicht schlafen (heja, sie liegen ja noch keine 3 Minuten im Bett, das wundert mich nicht...), da sei kein Fernseher im Zimmer, kein Badezimmer, das Bett müsse man selber anziehen. Das gehe doch überhaupt nicht (und nicht vergessen, das ist alles in Spanisch - und ich habe es verstanden, das ist eigentlich der einzige positive Aspekt am ganzen Trara).
Nun ja, um es kurz zu machen, der Herr verlangt, dass ich ihm das Geld zurück zahle, er könne hier nicht schlafen. Logo, ich weigere mich, wie soll ich um Mitternacht noch ein ganzes Zimmer verkaufen? Als er fast zu weinen beginnt, und ich einfach nach Hause will, erkläre ich mich bereit, 50% seiner Kreditkarte gut zu schreiben. Er ist einverstanden. Das mach ich. Dann will er, dass ich in einem Hotel anrufe und ein Zimmer reserviere. Ich sage nein. Alles was recht ist. Und dann reicht mein Spanisch nicht mehr aus, um meinem Ärger Luft zu lassen. Also blase ich dem Senor mal auf Englisch die Meinung. Das versteht er natürlich nicht. Aber mir geht es dann besser.
So, dann rufe ich im Monopol an. Da kostet das Zimmer 180 Franken, und die Familie braucht 2. Das ist zu teuer. Also bleibt die Familie bei mir, mit Augenrollen und einem drohenden Nervenzusammenbruch auf Spaniens Seite und einer grossen Schadenfreude auf meiner Seite. Die Kreditkarte belaste ich wieder mit 50%, lasse den Herrn unterschreiben und verabschiede mich mit einem zuckersüssen Buenos noches!

So, das war quasi der Tragödie erster Teil... kurz nach meinem Kassenabschluss klingelt das Telefon, Seongmin ist am Telefon, sie findet das Hostel nicht. Natürlich kam sie mit dem Bus, der sie im Juhee abgesetzt hatte. Ich versuche, den Weg zu erklären, das klappt nicht. Also gut, das wird heute nix mehr. Ich schicke sie zurück zur Bushaltestelle und schärfe ihr ein, sie solle dort warten, bis ein rotes Auto sie abhole. Bevor ich 10 Minuten erkläre und rate, wo die Dame ist, bin ich schon lange dort oben und stecke sie in meinen Saxo.
So, gerade als ich aus dem Haus will, um die arme Frau abzuholen, steht Brandon an der Rezeption. Seine Freundin, die in einem anderen Zimmer schläft, ist krank und will nicht alleine sein. Aha. Wir sind fully booked, die können nirgends sein. Ich sag ihm, er solle hier warten, ich lasse mir etwas einfallen. Zuerst muss ich aber mal jemanden abholen, weil die sonst irgendwo in der Pampa lande.
So, ab ins Auto, hoch zum Bus, Südkorea ins Auto packen, zurück zur Jugi, einchecken von Seongmin und ihrem Bruder, Reservationen für den nächsten Tag eintöggelen, eine kleine Überbuchung lösen und dann für Brendon und seine kranke Freundin Matratzen suchen, damit sie in unserem Mitarbeiter-Räumli gemeinsam übernachten können. Noch kurz erklären, wo die Toilette ist, damit die Dame nicht den ganzen Raum versaut, falls es hart auf hart kommt und dann mit einem Lächeln dem Nachtportier die Schicht übergeben.
Alles ok, alle da, gute Nacht.
Schon ein geiler Job, oder?!