Die Mondsichel guckt hinter ein paar Wolkenbergen hervor.
Perfekt inszeniert hinter den Wolkenschleiern.
Ein paar Ecken des Himmels sind klar und wolkenfrei.
Sterne funkeln wie Diamanten.
Darunter liegt eine frische und reine Schneedecke.
Und auf dieser Schneedecke bin ich.
Ganz allein. Im Schnee. Voller Freude.
Mit zwei paar Hosen, vier Oberteilen, Handschuhen, einem Stirnband und einer Mütze drüber. Das Michelin-Männli würde sich wohl sofort in sein weibliches Pendant verlieben.
Ich komme mir vor wie ein junger Hund, der zum ersten Mal Schnee sieht. Den ganzen Tag schon habe ich Lust auf Laufen.
Wie schön ist es, durch den Schnee zu joggen.
Das Knirschen zu hören.
Meinen Atem.
Langsam verlieren sich die Gedanken an den vergangenen Tag, an den kommenden. Da bin nur noch ich und der Weg, der Wald, der Schnee, die Nacht. Und mein Vertrauen, dass ich hier auf diesem Weg, in diesem Wald, in dieser Nacht jeden Stein, jeden Absatz, jede Wurzel und jedes Bächlein kenne. Ich brauche keine Lampe. Der Schnee leuchtet mir den Weg. Unberührt liegt er vor mir. Was für ein erhabenes Gefühl, die erste Spur zu legen.
Etwas später dann stehe ich auf dem Gütsch-Parkplatz. Was für eine Aussicht! Luzern von oben. Der dunkle, geheimnisvolle See, die Stadt mit tausend erleuchteten Fenstern und weissen Dächern. Es sieht aus wie ein grosses Lebkuchenhausdorf. Und im Hintergrund die Innerschweizer Berge.
Was für ein Glück habe ich!
Ich bin ein freier Mensch.
Voller Leben.
Voller Liebe.
Alles ist eins.
I'm alive!