Dienstag, 3. Januar 2017

Wie man einen Telefonbeantworter fachgerecht bespricht

Letzter Tag vor den Ferien. Wir schliessen unser Hotel über die Weihnachtstage. Mein wichtigster Job dieses Tages ist die Besprechung des Telefonbeantworters. Da soll nämlich drauf, dass wir eben geschlossen haben, bis wann und dass das Wellness einen Tag später aufmacht, dass man jedoch eine Email schreiben kann oder Zimmer und Gutscheine auch online käuflich sind. Die ganze Ansage in deutsch und englisch. Welcher normale Mensch sich das alles anhört, weiss ich auch nicht. Vielleicht jemand, dem meine Stimme extrem gut gefällt... Oder jemand, der einfach gelangweilt ist. Oder jemand, der halt wirklich unbedingt wissen will, was denn da los ist und warum niemand ans Telefon geht.
Egal.
Es ist das erste Mal, dass ich in diesem Hotel den Beantworter bespreche. Und ich muss sagen: Unsere Telefonanlage kommt noch aus dem vorvorletzten Jahrhundert... So fühlt es sich jedenfalls an. Immerhin, die Anschaffung einer neuen Anlage ist in Planung. Dann muss dann auch gleich ein neuer Beantworter her. Jetzt sowieso. Den alten hab ich nämlich ein bisschen kaputt gemacht. Aus lauter Übermut. Dumm, gell?!
Das ging so:
Letzter Tag vor den Ferien. Ich lese die Anleitung zum Besprechen des Telefonbeantworters aufmerksam durch. Es scheint mir nicht allzu schwierig zu sein. Zuerst Taste x dann Taste y und dann reden. Dann Taste y loslassen, abhören und "scharf" schalten. Soweit so gut. Voll gut begriffen. Die Tücke daran: Das Grätli steht an der Rezeption, gleich neben einer Tür, die immer laut auf und zu geht. Und an der Rezeption soll jetzt auch noch gestaubsaugt werden. Also bitte ich mal alle höflichst um Ruhe, damit auf der Ansage nicht auch noch 1000 Hintergrundgeräusche drauf sind.
Soweit so gut. Die erste Aufnahme ist nicht schlecht. Aber auch nicht so soll. Ich mach's noch mal. Gefällt mir schon besser. Aber mein englisch tönt einfach so doof, wenn ich mich selber höre. Also beschliesse ich, die Ansage noch mal zu machen. Und das, obwohl mir die Staubsauger-Lady bereits im Nacken sitzt und die Zeit wie Sand verrinnt.
Ich starte die Ansage. Die Lady startet den Staubsauger und irgendwo fällt etwas herunter. Na bravo! So kann ich das ja wohl kaum lassen. Und vor lauter Ablenkung verspreche ich mich auch noch. Also breche ich die Ansage ab und hämmere in gespielter Genervtheit auf dem Grätli herum. Einmal schön kräftig auf alle Tasten gehaut, den Staubsauger vom Platz verwiesen und weiter gehts. Denk ich mir zumindest. Denn, als ich jetzt Taste x drücke und dann y passiert nichts. Gar rein nichts! Aha. Das ist jetzt merkwürdig. Hat doch vorhin grad noch prima funktioniert. Was ist denn da los? Also noch mal x, dann y. Dann nix! Hmm... Okee... mach ich mal alle Stecker raus. Ein bisschen warten. Stecker wieder rein. Hoffen. x-y-nix! Holy shit! Was ist denn jetzt los? Ich entscheide mich mal für eine kleine Pause, vielleicht hilft's dem Gerät ja auch.
Nach 10 Minuten wiederhole ich das Prozedere. Stecker raus-rein, dann x-y-nix! Ich kann's nicht schönreden. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gerät durch mein Gehämmere einen Defekt erlitten hat, ist gross.
Ich sehe mich schon kurz vor Ladenschluss alle Elektronikläden nach einem Ersatzgerät abklappern. Aber ich kann mir schon ausdenken, dass dieses vorsintflutliche Teil nirgends mehr erhältlich ist. Das bestätigt mir dann auch der Herr Caduff von der Firma, bei der wir das Gerät vor vielen vielen Jahren käuflich erworben haben. Zum Glück ist er ein Crack auf der Anlage. Und zum Glück war da in dieser Firma überhaupt noch jemand telefonisch erreichbar! Das lässt mich hoffen.
Also, der Herr Caduff lässt mich alle Tasten drücken und ihm berichten, was dann passiert. Bei einigen passiert etwas. Bei anderen eben nichts. Aber das ist ja mal nix neues! Nach einem kurzen "hmm" kommt Herr Caduff zur Schlussfolgerung, dass da ein mechanisches Problem bei den Tasten bestehe...
Aha!
Er sieht zum Glück nicht, dass ich dabei rot werde. Denn, Damen und Herren, wir wissen ja ziemlich genau, wie dieses mechanische Problem herbei geführt wurde...
Nach einer kurzen Überlegungs-Phase kommt meinem Helden und Ferienretter am anderen Ende in den Sinn, dass diese Anlage auch per Fernsteuerung besprochen werden kann. Mit einem Code und einigen Tastenkombinationen könne ich den Text auch von einem beliebigen Telefon aufnehmen. Das ist ja mal eine gute Nachricht! Ich notiere mir alles haargenau, was der Herr mir diktiert. Und ich versichere mich, dass ich mich noch mal melden darf, falls es nicht funktioniert.
So, dann der grosse Moment: Ich wähle die Hotelnummer, warte auf den Text (ja genau, der mit dem Staubsauger im Hintergrund und meinem Versprecher und dann dem Abbruch), dann tippe ich den Code ein, wage die komplizierte Tastenkombination, spreche meinen Text, bestätige das Ding und hänge auf. Es hat geklappt! Der Text tönt zwar nicht wirklich schön. Und ich bezweifle, dass jemand ein zweites Mal anruft, nur um meine Stimme noch mal zu hören. Aber hey! Der Text ist drauf. Und ich kann unbesorgt in die Ferien.

Schade nur, dass meine Kollegin vom Housekeeping am nächsten Tag beim Vorhänge aufhängen das Gerät ausser Gefecht setzt. Sie weiss nicht, wie das Problem behoben werden kann. Jedenfalls ist der Beantworter ausgeschaltet.
Es klingelt ins Leere, bis ich nach Weihnachten wieder komme und entdecke, dass ganz einfach der Stecker ausgestöpselt ist.
Jänu.