Ich hatte Kopfschmerzen. Neun Tage lang. Und zwar täglich ab dem Aufwachen bis um neun Uhr und dann am Nachmittag ab vier Uhr wieder. Kein Scherz. Mein Schmerz war quasi ein Schweizer Uhrwerk. Was es aber irgendwie auch nicht besser machte. Ich diagnostizierte diverse Krankheiten. Die Beratung von Dr. Google liess ich diesmal aus. Ich war ganz alleine kreativ. Und meine Diagnosen liessen sich sehen! Von Koffein-Abhängigkeit über Weizen-Unverträglichkeit über eine falsche Brillenkorrektur bis hin zum Tumor erachtete ich so ziemlich alles als möglich. Einen Tag nach meinem Geburtstag war ich dann endlich weise genug, einen Arzt aufzusuchen. Nicht etwa, weil ich am Tag nach den Feierlichkeiten noch mehr Schmerzen gehabt hätte. Neinein, im Gegenteil. Es ging mir schon viel besser. Älter werden hat eben schon ein paar Vorteile. Und offensichtlich steckt in einer Flasche Moet Chandon so ziemlich alles, was ich brauche, damit es mir gut geht...
Also, ein Tag nach dem Geburi:
Ich sitze also beim Arzt. Er schaut mich an, ich erzähle, warum ich hier bin. Er töggelet alles in seinen Computer. Zwischendurch ein Blick über seine Brille in meine Richtung. Ein Stirnrunzeln, ein Hmmhmm und dann hämmert er weiter auf seine Tastatur ein. Ist euer Arzt auch so? Also, mich verunsichert dieses Verhalten irgendwie. Und irgendwie beruhigt es mich auch. Denn offensichtlich muss ich nicht grad notfallmässig mit dem Heli ins Spital geflogen werden. Mein Arzt ist entspannt. Ruhig leuchtet er mir mit einem Lämpli in jede Öffnung meines Gesichtes, klopft auf meinem Kopf herum und sagt dazu „das tut nicht weh, das auch nicht, das nicht“. Er weiss es schon, bevor ich es spüre...Obwohl es ein bisschen weh tut. Aber nur ganz wenig.
Seine Diagnose: Nichts.
Sein Rat: Beobachten.
Und wenn der Schmerz wieder kommt, mich zum Hals-Nasen-Ohren -Spezialisten überweisen lassen.
Aha.
Ich frage ihn nach der Möglichkeit eines Hirntumors. Er bleibt ernst. Und erklärt mir, dass man das nur mit einem MRI entdecken könne. Aber das sei ja einfach so teuer. Und das sei ja eh verrückt, was man da in der Medizin so alles abchecken könne, nur um dann am Schluss herauszufinden, dass man nichts hat. Und dabei aber eben unglaublich viel Geld ausgegeben habe. Irgendwie sympathisch diese Aussage. Und meine Rede. Bloss, wenn es jetzt um meinen Kopf geht, wäre ich irgendwie doch froh, man würde mich in eine Röhre legen und mir am Schluss schwarz auf weiss bestätigen, dass ich gesund bin.