Damen und Herren
Ich liebe "mein" Hotel und ich bin glücklich, hier zu arbeiten. Meine Mitarbeiterinnen sind wundervoll und es macht Freude, mein Geld an einem solchen Ort zu verdienen.
Nichtsdestotrotz gibt es manchmal Situationen und "Problemstellungen", die ich nicht verstehe.
Wie zum Beispiel diese hier:
Zu unserem Frühstücks-Angebot gehört Konfitüre. Die kommt in Portionen. In schönen, herzigen Gläsli. Diese Gläsli sind mit einem Deckel verschlossen. Und der Deckel wiederum ist mit einem Papier-Siegel mit dem Gläsli verbunden. So wie halt die meisten Gläser mit dem Deckel verbunden sind. Das kennt man ja. Oder? So weiss man dann, dass das Gläsli noch niemand vorher aufgemacht hat. Und dann dreht man den Deckel und das Papier-Siegel reisst auf und das Gläsli ist auf.
Alles klar soweit, oder?
Also, solche Gläsli haben wir. Wichtiges Detail: Das Ablaufdatum der Konfitüre steht nicht auf jedem Gläsli, sondern auf dem Karton, in dem die Gläsli kommen.
Also. Jetzt kommt das "Problem".
Unsere Gäste schaffen es scheinbar ab und zu nicht, das Papier-Siegel mit dem Drehen des Deckels zu zerreissen. Keine Ahnung ob das tatsächlich möglich ist. Weil, das sind ja so Mini-Gläsli. Ich meine, wenn man ein Gurkenglas nicht öffnen kann, dann verstehe ich das ja noch. Aber ein Mini-Konfi-Gläsli...?! Die Qualität dieses Papiersiegels muss unglaublich stark sein. Oder unsere Gäste einfach zu schwach - ich weiss es nicht. Jedenfalls führt dieses "Problem" dazu, dass unser Frühstücks-Service mit einem Messer das Siegel leicht einritzt. So kann dann der Gast bequem und ganz alleine (meint er jedenfalls...) das Deckeli von seinem Gläsli abmachen.
Blöd nur, wenn der Gast sieht, dass das Siegel eingeritzt ist und dann das Gefühl hat, wir verkaufen verbrauchte Konfitüre. Und dann steht da auch noch kein Ablaufdatum - es ist eine echte Herausforderung für unsere Frühstücks-Verantwortlichen...
Ich kann es fast nicht glauben, aber diese Thematik beschäftigt diese Abteilung seit einem halben Jahr. Vor einigen Tagen nun war eine Lösung in Sicht: Ein neuer Lieferant hat ein paar Konfi-Müsterli geschickt. Und ich komme nach dem Mittagessen in den Genuss (?) oder besser gesagt, ich werde nach dem Mittagessen Zeugin eines der absurdesten Tastings, das ich je erlebt habe: Ich teste Konfitüre. Okeee, das alleine wäre noch nicht ausserordentlich. Schliesslich soll man kennen, was man ins Angebot aufnimmt. Ausserordentlich sind die Kriterien: Das Deckeli muss einfach geöffnet werden können. Das Gläsli muss schön aussehen. Das Ablaufdatum soll auf dem Gläsli stehen.
Und die Konfi soll gut schmecken.