Dienstag, 11. Juli 2017

Bezugsrahmen-Erweiterung

Sooo, dann will ich euch mal erzählen, wie ich unverhofft auf einem Viertausender gelandet bin...!
Das ging so:
Ich habe eine gute Freundin, S. Mit ihr war ich schon im Gummibötli unterwegs, habe mich auf Dachterrassen geschlichen, bin um den Rotsee gerannt, habe meine Freude an Bewegung entdeckt. Und sie war es auch, die mich fragte, ob ich Lust hätte, mit ihr einen Schnupperkurs im Bergsteigen zu machen.
Ha! Ich! Bergsteigen!
Goht's no?!
Doch das erste Entsetzen wich rasch einer Neugier, einer Begeisterung, ja tatsächlich einer regelrechten Euphorie. Nach einmal drüber schlafen, war ich sicher: Das will ich ausprobieren!
Also nichts wie anmelden. Zwei Orte standen zur Auswahl - das Allalinhorn im Wallis und der Wildstrubel im Berner Oberland (oder wo liegt der eigentlich ganz genau...?). Das Allalinhorn kam für mich nicht in Frage. Viel zu hoch, zu viel Schnee, zu lange Anreise. Wir konnten uns locker auf den Wildstrubel einigen.
Also anrufen und uns anmelden.
Dann: Der Kurs ist ausgebucht!
Neeein! So doof. Dann die gute Nachricht: Wenn wir noch eine andere Person finden, kann eine zweite Gruppe starten und der Kurs kann durchgeführt werden. So bin ich die nächsten drei Wochen in regem Kontakt mit outdoortauglichen und abenteuerlustigen Freundinnen. Leider kann keine. Beim Veranstalter melde ich mich regelmässig, um nach zu horchen, ob sich unabhängig von uns noch jemand angemeldet hat - leider nein.
Dann eine Woche vor Kurs: J. ist begeistert von der Tour und meldet sich auch an. Ich rufe den Tourenveranstalter an und melde die frohe Botschaft. Drei Tage später dann: Wir finden keinen Bergführer!
What? Das kann doch jetzt echt nicht sein! Jetzt war ich drei Wochen lang in Kontakt mit denen, finde endlich jemand, um den Kurs voll zu machen und die haben keinen Bergführer, der irgendwie schon mal provisorisch angefragt worden wäre? Das verstehe ich nicht. Aber das ist ja auch (noch) nicht meine Welt.
S. findet eine Alternative. Zwei sogar, bei zwei verschiedenen Anbietern: Das Allalinhorn (...!) und eine Tour auf Vrenelis Gärtli im Klöntal. Für mich ist klar: Vrenelis Gärtli! Dieses Allalinhorn hat einfach zu viel Schnee, zu weit weg, zu hoch! Wir melden uns also für den Schnupperkurs im Klöntal an. Das heisst, S. und ich. J. vertut sich vor lauter Aufregung und meldet sich für die Hochtour an. Nix mit Schnupperkurs. Jänu - nicht so schlimm, sehen wir uns halt auf der Tour und in der Hütte. Das ist ja auch schon mal was.
Der Kurs startet am Samstag. Am Freitag um 11 Uhr kommen die letzten Infos per Email. Erster Satz darin: Dieser Kurs wird mit einer Aenderung durchgeführt.
Jaa, der geübte Leser könnte schon eine Idee haben, wie die Aenderung aussieht... Aufgrund des schlechten Wetters in der Zentralschweiz wird der Kurs ins Wallis verlegt - auf's Allalinhorn! Mannmannmann! Kurz überlege ich, den Kurs abzusagen. Ich will einfach nicht so weit reisen. Nicht auf 3000 m.ü.M. übernachten und auch nicht mitten im Sommer im Schnee unterwegs sein!
Gopf!
Und mit meinen Wanderschuhen geht das schon gar nicht! So lange in Schnee und Eis halten die nicht aus, respektive meine Füsse nicht. Vrenelis Gärtli wäre easy gewesen, aber nicht das Allalinhorn!
Nach einigem Hin und Her fange ich dann langsam langsam an, mich mit der Idee anzufreunden, auf 4000 m.ü.M. zu steigen. Und ich finde sogar noch super gute bedingt steigeisenfeste Wanderschuhe! Im Outlet, zu einem super Preis. Per Zufall sind es die gleichen wie S's. Jänu - Hauptsache bequem.
Dann Samstag Morgen - Reise nach Saas Fee. Im Posti von Visp nach Saas Fee treffen wir die anderen zwei Kursteilnehmerinnen und unseren Bergführer. Er nennt sich Yogi. Ja, tatsächlich Yogi! Na, wenn das mal gut kommt!
Aber eines vorneweg: Es kommt gut!

Es fühlt sich tatsächlich ein bisschen an, als sei ich nicht mehr der gleiche Mensch, seit ich auf 4000 m.ü.M. war. Eine neue Erfahrung, eine neue Grenze überschritten, neue Bewegungen, neue Menschen, neue Bilder im Kopf - alles neu! Mein Bezugsrahmen ist um einiges grösser geworden - nice!

Wie genau der Aufstieg im Regen, das "Techniktraining", das Essen, Schlafen und Aufwachen und dann der Aufstieg auf das Horn sich genau abgespielt haben, erzähle ich zu gegebener Stunde. Erst Mal besteige ich jetzt nämlich einen Teil des Hohgant-Gebietes. Mal gucken, wie das Wetter ist. Heutiges Ziel: Aellgäu-Lücke!
Ferien sind wunderbar!!