Neulich am Bürkliplatz. Ich warte wie ungefähr eine weitere Million Menschen darauf, das Schiff "Panta Rhei" zu besteigen. Heja, es ist ein sonniger Tag, es ist Herbst. Es ist Nachmittag. Da wollen halt ganz viele auf dem Zürichsee rumtuckerlen. Ich frage mich manchmal schon, was denn die Faszination für das Schiff fahren auslöst. Also, ich meine, mir gefällt es ja auch. So die ersten 15 Minuten - dann finde ich es meist langweilig. Aber hey! Es gibt Menschen, die machen eine dreistündige Fahrt auf dem Zürichsee.
Jänu, jedem das seine gell.
Wie auch immer. Ich warte darauf, das Schiff besteigen zu können. Die Menschenschlange schiebt sich langsam vorwärts. Vor mir ist eine Gruppe Frauen im Pensionsalter. Hübsch zurecht gemacht und, wie man sich das vorstellt für eine solche Gruppe, auch ordentlich am schnäderen. Eine der Frauen telefoniert. Und guckt dabei suchend am Steg entlang. Sie sucht offensichtlich eine noch nicht eingetroffene Kollegin.
Hinter mir telefoniert auch eine Frau. Eine Frau im Pensionsalter. Sie guckt dabei suchend am Steg entlang.
Jajaa, ihr ahnt es meine Lieben - die beiden Damen, die keine drei Meter auseinander stehen, telefonieren miteinander. Ich komme in den Genuss einer Liveperformance, sozusagen. Denn ich höre, was die vorne sagt, was die hinten sagt und sehe das Unheil kommen. Denn: Sie missverstehen sich. Die hinter mir meint nämlich schon, dass sie am falschen Steg stehe und will sich schon vom Acker machen.
Klar, dass ich mich da einmische, oder? Ich tippe ihr auf die Schulter. Sie dreht sich um.
Ich: "Ähm, telefonieren Sie nicht mit der Dame da vorne?"
Sie: Suchender Blick und dann grosse Augen und dann "Oh."
Ich frage mich gerade, ob es eine Marktlücke wäre, ein Handy zu erfinden, das zu glühen beginnt, wenn der Gesprächspartner weniger als drei Meter entfernt ist.
Ja, ich glaube, das hätte durchaus Potenzial.