Montag, 23. Dezember 2019

In der Ruhe liegt die Kraft

Einmal ist kein Mal.
Zweimal ist auffällig.
Dreimal könnte ein Muster sein.

Das ging mir gestern Abend durch den Kopf, als ich feststellte, dass ich schon wieder bei Menschen sass, die gerne und viel von sich erzählten und ich wenig bis nichts von mir; in Ermangelung an Fragen an mich.
Wer fragt, führt. Denke ich heute Morgen. Und ich habe viel gefragt gestern. Menschen interessieren mich. Was sie machen. Wie sie sind. Was sie beschäftigt.
Wer nicht fragt, bleibt dumm - heieiei! Wie viele Sprüche können da durch mein Morgenhirn düsen?
Nun, es scheint eines meiner Talente zu sein, Menschen zum Erzählen zu bringen.
Soweit so gut.

Innert kurzer Zeit ist es mir nun passiert, dass ich eben in einer Runde sass, in der mich die Menschen interessieren und ich frage und erfahre und umgekehrt kommen wenige bis keine Fragen an mich.
Zweimal ist auffällig.

Ja gut, ich habe Lust, mich über diese mich nichts fragenden Menschen aufzuregen. Mich zu nerven, dass die sich in ihren Erzählungen verlieren. Über die Vergangenheit erzählen. Was sie alles gemacht haben. Was sie mal waren. Ein Monolog mit Unterhaltungswert. Durchaus. Und ich erfahre auch viel Interessantes.
Ein Gespräch entsteht nicht. Nicht aus meiner Sicht zumindest.

Ich stelle die Frage in den Raum: Wollt ihr etwas von mir wissen? Ein gespanntes drei-stimmiges "JA" tönt mir entgegen. Und ein "Erzähl mal von dir". Bloss, soll ich jetzt meinen Werdegang, meinen Lebenslauf bei Raclette und Schwarztee erzählen? So wie die anderen in dieser Runde? Ich sehe nicht viel Sinn darin. Und so kokettiere ich mit meinem Lebenslauf und meine "Ich bin nicht so interessant". Und darauf der Herr, der mir seit Stunden von sich erzählt: "Mach dich nicht so klein". Und ich denke: "Mach dich nicht so gross". Und sage: "Möglicherweise bin ich sehr ironisch.". Und dann erzählt eine andere aus der Runde von sich.

Und ich sitze da und staune.
Staune ob meinen Erkenntnissen. Ob dem Wissen, das ich mir in den letzten drei Jahren angeeignet habe. Ob den Theorien, die ich kenne. Ob meiner Intuition. Meiner Ruhe. Meiner Gelassenheit. Meinem Mut, Neues auszuprobieren. Ob meiner Fähigkeit, Transaktionen zu kreuzen.
Ich geniesse meinen Mut, Fragen zu stellen. Unübliches zu sagen.

Es ist gut.

Ich ruhe in mir.
Ich bin mir meiner selbst sicher.

Ich bin okay.
Du bist okay.