Donnerstag, 26. Dezember 2019

Treffen im Wald

Heute war ich laufen. Ganz passend nach zwei Tagen "Dauerfressen" ohne Pause zwischen den Mahlzeiten, dachte ich mir. Und ein weiterer Grund für meinen Ausflug in die Natur: Mein Hirn stellt nicht ab. Seit gestern Abend drehen da gebetsmühlenmässig die gleichen Gedanken, Fragen, Ideen, Zweifel, vermeintliche Lösungen, dann wieder Fragen - ein riesen Matsch im Kopf.
Laufen hilft. Das weiss ich schon lange.
Und heute ganz besonders.
Ich bin berührt vom Leben. Von den Zeichen. Von Begegnungen am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

Da schnaufe ich den Berg hoch, im Magen noch ungefähr 2 kg Fondue Chinoise, im Kopf schon ein paar Gedanken weniger und ein paar neue fröhliche dazu.
Und wer begegnet mir da im Wald?
R.!
Wie wundervoll! Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns hier begegnen. Wir sehen uns ganz selten und immer nur "per Zufall". So wie heute. Wir kennen uns nicht so wirklich gut. Und irgendwo doch.
Wir bleiben stehen. Begrüssen uns. Plaudern ein bisschen. Beiden wird kalt. Heja! Immerhin sind wir beide am Joggen, ergo auch am Schwitzen. Und dass Schweiss den Körper kühlt, weiss ja jedes Kind. Und kalter Schweiss an einem kalten Tag im trüben Wald ist irgendwie nicht so angenehm. Also entscheiden wir uns, gemeinsam weiter zu laufen. Den Berg hoch. Mit Erzählbedarf. Und Fondue Chinoise im Bauch. Es ist nicht einfach. Und es geht. Der Drang zum Austausch und das Interesse am Gegenüber und seinem Leben sind grösser.
Am nächsten Trennungspunkt bleiben wir wieder stehen. Plaudern noch mal. Verabschieden uns. Und merken, dass es da noch so viel zu erzählen gibt. Also macht R. eine Extrarunde und wir reden weiter. Und laufen natürlich. Mejomej! So anstrengend war es schon lange nicht mehr für mich. Und dabei so bereichernd.
Welch wunderbare Überraschung. Welch wundervolle Wendung. Da hatte ich den Kopf voller Zweifel und Unklarheiten.
Und nach dieser ausgedehnten Lauftour sind die Zweifel, Fragen und Gedanken noch immer da. Und nun stecken sie voller Möglichkeiten und Varianten.

Manchmal kann ich es wirklich fast nicht glauben, wie wundervoll das Leben ist. Wie kostbar es ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Wie bereichernd es ist, andere Wege zu gehen, offen für das Leben und seine Geschenke zu sein.

Danke.