Mittwoch, 16. August 2023

16. August

Es ist Sommer. Kir Royal, Speckzopf, Schinkengipfeli stehen auf dem Tisch im Freisitz. Meine Onkel und Tanten sind zu Besuch. Unsere Nachbarn ebenfalls. Im Cheminee brennt das Feuer. Meine Mam steht in der Küche. Mein Pap steht im Freisitz, mit einem Glas Kir in der Hand. Keine Ahnung, ob dieses Bild jemals ganz genau so statt gefunden hat. Aber ganz bestimmt so ähnlich. Und in diesem Bild bin ich ein Teenager, meine Eltern noch jung, meine Tanten und Onkel noch am Leben. Und es ist der 16. August. Der Geburtstag meines Vaters. In meiner Erinnerung waren dann immer die Brüder meines Vaters eingeladen und alle kamen heim in ihr Elternhaus, das nun mein Elternhaus ist.
Es sind lang vergangene Zeiten. Mein Vater ist seit 13 Jahren tot. Von seinen fünf Brüdern lebt nur noch einer. Eine Familienfeier gibt es an diesem Tag nicht mehr. Ich habe sogar ganz normal gearbeitet heute.
Und dennoch ist es immer noch ein spezieller Tag. Ich weiss, dass meine Mam meinem Vater Nägeli aufs Grab legt, dass sie wohl mehr als sonst an ihn denkt. Wahrscheinlich auch immer mal wieder weint.
Bis heute fand ich es immer befremdlich, am Geburtstag verstorbener Menschen auf eben diesen Geburtstag und den Menschen, der ihn feiern würde, anzstossen.
Heute fühlt es sich anders an. Mit dem Gedenken des Geburtstag leben die Erinnerungen weiter.
Ich weiss, dass sich in meinen Erinnerungen vieles schöner anfühlt, als es sich damals anfühlte. Heute kümmere ich mich nicht darum. Ich bade in dieser Erinnerung und an der Trauer, die damit einher geht. Es tut gut, mal wieder zu weinen, weil mein Pap tot ist.
Und dann zu spüren, dass er irgendwie doch noch hier ist.