Also, wer mich kennt, weiss, dass ich recht oft recht viel träume und mich oft recht gut daran erinnern kann. Der Traum, den ich heute Nacht hatte, war irgendwie richtig befreiend.
Der ging so:
Ah nein, zuerst muss ich euch noch mal in Erinnerung rufen, dass ich ja mal ein paar Jahre als Lehrerin gearbeitet habe. Mit kleinen Kindern, mit grossen Kindern, mit braven und auch mit nicht so braven. Und dann muss ich auch noch sagen, dass ich damit manchmal (eigentlich recht oft) nicht so gut zu recht kam. So.
Also, mein Traum ging so:
Irgendwie war ich als Schülerin (allerdings als erwachsene) in ein Schulzimmer gelangt. Wir hatten schon eine Lektion hinter uns und allen war klar, dass der Lehrer das ganz und gar nicht im Griff hatte. Alle machten, was sie wollten, warfen mit Papier-Bällchen herum, sangen, plauderten. Kurz und bündig: Ein Sau-Mais!
So, jetzt komme ich ins Spiel. Weil der Lehrer nach der Pause einfach nicht mehr zurück kehrte und ich mich als älteste im Raum irgendwie verantwortlich fühlte, hier ein bisschen Ordnung rein zu bringen, trat ich vor die Klasse. Erst da sah ich die Schüler... Es waren die schlimmsten Exemplare aus meiner Lehrerin-Karriere dabei. Die lautesten, frechsten, anstrengendsten aus sieben Jahren... Mammamia. Aber da waren auch noch viele andere liebe herzige. Und da war auch noch F., ein Koch aus dem Hotel, in dem ich ja auch noch gearbeitet habe. Allerdings in einer Mini-Ausgabe, was bei seiner Grösse eigentlich immer noch gross ist.... (wie der in meinen Traum gelangte, kann ich mir allerdings nicht so genau erklären...)
Alles noch klar so weit? Da stand ich also vor diesem Sau-Haufen und fiel schon fast wieder in mein altes Muster. Aber dann blieb ich einfach cool und ruhig (schliesslich war das ja nicht MEINE Klasse) und ich schaffte es tatsächlich, die Klasse ruhig zu kriegen und Ordnung zu machen. Die Rivella-Flaschen (keine Ahnung warum Rivella) wurden von den Bänken eingesammelt, die Papier-Bällchen entsorgt und alle setzten sich gerade hin und hörten mir zu. Great.
Dann kam endlich der Lehrer (er sah ein bisschen aus wie Dieter Moor - von dem habe ich gestern ein Buch angeschaut...) rein und traute seinen Augen nicht. Ich übergab ihm die Klasse und schon bald ging es weiter wie vorher. Einige der älteren Schüler hatten sich ein Mikrophon geschnappt und sangen lauthals den Anfang von "Hier kommt Alex". Als ehemaliger Toten-Hosen-Fan konnte ich natürlich mitsingen, was ich auch tat. Doch der Refrain war dann ganz gemein gegen den Lehrer gerichtet. Und was tat ich? Ich, die Heldin, die ich sah, dass der Dieter-Moor-Lehrer nass geschwitzt vor der Klasse stand und sich nicht mehr rühren konnte? Ich zog den Mic-Stecker raus, schaltete die Anlage aus und setzte mich zwischen die Aufmüpfigen, erzählte ihnen etwas (aus meiner grossen Lebenserfahrung...) bis sie ruhig waren und sonnte mich in der Anerkennung des ganzen Schulzimmers.
Ich glaube, so gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Es scheint, dass ich Frieden mit meinen allerersten Schülern geschlossen habe. Jenoe und Matthias, ich wünsche euch alles Gute.