Samstag, 31. März 2012

for a change

So drei, vier Mal im Jahr schreibe ich für den Anzeiger bei mir zuhause einen kleinen Beitrag. Das heisst "mit spitzer Feder" und tönt stilistisch ein bisschen anders als mein Blog, ist aber auch nicht sooo schlecht. Ich lass euch mal die letzte Ausgabe hier.
Und zur Abwechslung ist es vielleicht gar nicht schlecht... Mehr zu Kaffeemaschinen, Bettenbau, verrückten Waschmaschinen, den toten Hosen und jungen Südafrikanern gibt es später.

Ein merkwürdiges Bild bot sich mir letzten Sonntag auf einem frühabendlichen Spaziergang durch ein neues Wohnquartier. Die grossen Wohnzimmerfenster der Wohnsiedlung waren hell erleuchtet. Die Einrichtung unterschied sich ein wenig in Form und Farbe. Weniger unterschiedlich war die Szene, die sich mir gleich in drei übereinander liegenden Wohnungen darbot: Abgedunkeltes Licht, links an der Wand ein flimmernder Flachbildschirm und davor auf einem grossen Sofa eine einzelne Person, die zum Fernseher schaute. Es sah aus wie eine Szene aus dem Theater. Titel des Bühnenstückes: Leben als modernes Individuum.
Was, wenn die drei Leute gewusst hätten, dass sie sich alle die gleiche Sendung anschauten? Vielleicht hätten sie sich dann in der Mitte getroffen. Die Frau von oben hätte eine Flasche Wein mitgenommen, der Herr von unten die Packung Salzstängeli, die er gerade geöffnet hatte und die Frau in der Mitte hätte vielleicht noch ihren neuen Grill eingeweiht. Das hätte durchaus ein netter Abend werden können. Kurz habe ich mir überlegt, zu klingeln und den drei Menschen meine Idee vorzutragen. Ich habe es sein lassen. Möglicherweise wäre es dann doch als allzu grosser Eingriff in die Privatsphäre gewertet worden.
Umso mehr habe ich mich gefreut, heute meine Nachbarn im Garten anzutreffen. Nun freue ich mich auf gemütliche Abende im gemeinsamen Garten mit Wein, Salzstängeli und Grilladen.