Mitunter ist mein Job schon ein wenig anstrengend. So zum Beispiel neulich... da hatte ich Frühdienst mit ca. 150 Abreisen. Ein schöner Morgen, der dazu einlädt, auf die Rigi oder auf den Pilatus zu fahren. Und natürlich die Tickets bei uns zu kaufen...
So kam es also, dass ich nebst Auskünften zum Busfahrplan, Ratschlägen für Tagesausflüge und Hilfestellungen zum Internet-Zugang auch noch Tickets für die Goldene Rundfahrt verkaufen konnte... Alles schön kompakt von 9-10 (vor 9 reist ja am Sonntag eh niemand ab).
Nun ja, soweit so gut, damit kann ich umgehen, ist ja mein Job.
Etwas überfordert war ich eigentlich erst, als F. vom Housekeeping mit einem Kessel an der Rezeption stand und mich etwas hilflos anschaute. Ich schaute ebenso zurück. Leise raunte sie mir in ihrem Italo-Deutsch zu: "Martina, ich habe gefunden eine Maus". Oh Mann, muss das sein? Was soll ich denn jetzt mit einer Maus? Und vor allem, warum lässt sie sie nicht einfach in den Garten?
Es dauerte eine Weile, bis ich kapierte, dass es eine Fledermaus war. Ein Fledermaus-Kind, um genau zu sein. Eines, das sich in den ersten Stock verirrt hatte und nun keine Chance mehr hatte, seine Mama zu finden. (Kleine Randnotiz: Unter dem Dach der Jugi wohnt ganz offiziell eine Mücken-Fledermaus-Kolonie)
So. Also da stand nun F. neben mir, vor mir gefühlte 1000 Touristen, die etwas von mir wollten und im Kessel sass die kleine süsse Fledermaus, die ja irgendwie gerettet werden musste.
So kam es also, dass ich an einem schönen Sonntag Morgen mit der Fledermaus-Beauftragten des Kantons Luzern telefonierte und sie mir am Telefon genaue, sehr ausführliche, ja schon fast ausufernde, Instruktionen gab, wie ich das kleine Ding ausbruchsicher verpacken musste, wo ich es "zwischenlagern" sollte und wie ich es am Abend dann wieder in die Freiheit entlassen konnte... Und das alles während vor mir halb China, Südkorea und Indien auf ein Ticket ins Glück wartete...
Manchmal ist es einfach ein bisschen schwierig, Prioritäten zu setzen...
Aber Ende gut alles gut: Um viertel nach 10 waren alle Gäste weg, um halb elf konnte ich einen Kaffee trinken, um viertel vor 11 kam die Fledermaus-Beauftragte und nahm das kleine Fledermaus-Kind mit und um 11 konnte ich meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit dem weiteren Tages-Geschäft widmen.
Nice!
PS: Das Kind hat seinen Ausbruch gut überlebt und ist nun wieder mit seiner Familie vereint!