Endlich endlich habe ich Zeit und Musse, um euch aus meinem äusserst erlebnisreichen Leben zu erzählen! Bloss weiss ich jetzt gar nicht, wo ich denn anfangen soll... Vielleicht beim horrend schlechten Service in einem Restaurant, wo der Kellner offensichtlich Salz nicht von Pfeffer unterscheiden konnte? Oder doch lieber, wie ich einen ganzen Zug beschalle? Oder wie ich am frühen Morgen vor einem bösen bösen bösen Hund fliehen muss? Oder wie ich aus lauter Übermut einen Telefonbeantworter zerstört hab? Ihr seht Freunde, es lief nicht nichts in diesen Tagen. Und das ist ja nur eine kleine Auswahl, ein best of sozusagen.
Und ich denke, meinen deutschen Freunden zuliebe fange ich dort an, wo ich aufgehört habe, nämlich in der deutschen Bahn...
Ihr erinnert euch? Da sass ich im Interregio-Express (ha! muss noch immer den Kopf schütteln, wenn ich 'Express' schreibe)nach Ulm. Worst train ever! Ich glaube ja immer noch, dass der Zug einen Defekt hatte! Aber etwas Gutes hatte der Zug dann doch! Und das soll hier fairheitshalber nicht unerwähnt bleiben! Wie nicht anders zu erwarten, musste ich in diesem Zug halt auch mal aufs Klo. Den engen Verhältnissen im Zug zufolge war ich mir sehr sicher, dass mich ein kleines Mini-Kabäuschen erwartet. So ein Mobitoi-ähnliches Ding, schmutzstarrend, ohne WC-Papier, stinkend und kalt... Jaja, ihr seht, ich war extrem positiv eingestellt...! Aber hey! Heisst es nicht immer, man solle die Erwartungen nicht zu hoch halten? Jedenfalls wurden meine Erwartungen übertroffen. Oder eben gerade nicht! Es stellte sich nämlich heraus, dass das WC der schönste und gemütlichste Ort im ganzen Zug war. Weshalb ich dann auch grad ein Weilchen blieb und den grosszügigen, geheizten Raum für mich alleine sehr genoss! Auch wenn ich wusste, dass da draussen noch mindestens vier Leute warten, dass sie reinkönnen... ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen. Seid ihr schon mal auf einer WC-Schüssel gesessen, die euch warme Luft in den Hintern bläst? Tönt eher abturnend! Aber ich sag's euch: In einem Zug, der ruckelt und zuckelt und du mit physischem und psychischem Bauchweh im Abteil sitzt, da kommt so ein wärmendes Gefühl gerade recht! Mit wie vielen Bakterien die warme Luft da an meinem Füdli verseucht war, wollte ich mir lieber nicht vorstellen. Offensichtlich war es nicht dramatisch, jedenfalls habe ich dann sowohl Fahrt wie auch das Wochenende in der Fremde recht gut überstanden.