Sonntag, 11. Dezember 2016

Willkommen in der deutschen Bahn...

Was hab ich mich in den letzten Wochen geärgert über volle Züge, schreiende Kinder, Gepäck im Velowagen, stinkende Thonsandwiches, laute Musik über Kopfhörer... Und jetzt das! Ich erleide grad einen Kulturschock. In Cuba wollte ich immer mal Zugfahren. Die Cubaner haben mir abgeraten, es sei zu mühsam. Aber ich denke, viel schlimmer als da, wo ich jetzt bin, kann es auch wieder nicht sein. Okeee, eventuell schon. Aber ich bin wirklich in einer anderen Welt.
Leute, ich sitze im Interregio-Express (ha! Express...!) von Singen nach Ulm! Seit einer halben Stunde sitze ich hier drin und ich bin noch immer nicht sicher, ob der Zug nicht doch einen Defekt hat und darum so merkwürdig ruckelt und zuckelt. Seid ihr schon mal in Deutschland Zug gefahren? Ist das normal? Keine Ahnung, wie oft ich jetzt mein Vis-à-Vis schon ans Bein gestopft hab. Aber wir sitzen uns ja auch fast Knie an Knie gegenüber. Und wir sind beide nur kleine Menschen. Licht scheint hier Mangelware zu sein. Jedenfalls war es bis gerade eben noch schaurig schummrig hier drin. Und nachdem ich zuerst einen Hitzeschock erlitten und so ziemlich alles ausgezogen habe, was möglich ist, möchte ich es nun wieder anziehen, da es plötzlich ganz furchtbar zieht. Aber ich getraue mich nicht zu bewegen, sonst gingge ich der jungen Dame gegenüber schon wieder ans Schienbein. Langsam hätte sie wohl doch ein Problem damit.
Ich bin wahrscheinlich in der dritten Klasse gelandet... Gibt es das hier? Das Polster (war es früher wohl mal) in meinem Rücken ist so durchgewetzt, dass ich die Sessellehne in meinen Rücken bohrt (gut, auch ein wenig übertrieben, aber so wirklich bequem ist es dann doch nicht).
Und jetzt noch das: ich müsste auf die Toilette... ob ich mir das antun will? Ich hab da so meine Bedenken. Naja, aber ausprobieren muss ich es dann schon noch. Hab ja auch noch laaange Zeit. Ich hoffe bloss, dass ich beim Aussteigen in Ulm dann auch noch etwas hören kann. Der Zug dröhnt so laut, dass sich das schon fast in meine Ohren eingefressen hat. Fühle mich wie in einem Lastwagen. In einem cubanischen, notabene! Madremia! Wie schön ist doch die SBB. Nie mehr wieder werde ich mich beschweren über volle Wagen. Oder zumindest eine Zeit lang nicht mehr. So lange ich noch auf einem Klappsitz Platz nehmen kann, ist es noch immer bequemer als hier in diesem Dröhn-Schlotter-Stotter-Zug.
Tut mir leid ihr lieben Deutschen, das ist echt nix hier!