Ich habe es wieder entdeckt! Velofahren! Es ist etwas vom Schönsten, was es gibt. Merkwürdig, dass ich im Sommer, wo es doch so schön war, so selten mit dem Velo zur Arbeit gefahren bin. Erst jetzt, wo ich eine Jacke brauche und einige Male auch schon Handschuhe, fahre ich mehr oder weniger regelmässig mit dem Velo zur Arbeit. Ich komme gut gelaunt und in meiner Kraft im Hotel an und auf dem Heimweg muss ich mich nicht mit vielen anderen Menschen in die S-Bahn drängen. Nein, ich kann ganz alleine durch das herbstliche Zürich fahren. Es ist wunderbar.
Und gestern hab ich sogar ein Wunder der Natur erlebt. Gleich nach dem Hottingerplatz war es. Da regnete es. Genauer gesagt regnete es auf 3 Quadratmetern. Ich fahre etwas langsamer. Beobachte den Regen. Ich halte an. Gucke in den Himmel. Über mir muss ein Loch klaffen. Ein Phänomen zu Allerheiligen? Ein Zeichen Gottes? Ein Gruss aus dem Himmel? Ich halte alles für möglich. Vorsichtshalber stelle ich mich in den Regen. Ja, es ist wirklich nasser Regen. Und es regnet nur auf diesen paar Quadratmetern. Einige Menschen, die an mir vorbei gehen, bleiben ebenfalls stehen und beobachten mit mir den dunklen Himmel. Wir mutmassen, grinsen, staunen und freuen uns über dieses Phänomen.
Bis mir eine neue Frau entgegen kommt. Sie grinst mich an und meint: "Das passiert hier alle paar Tage. Die Dachterrasse dort oben wird bewässert und irgendwie ist der Schlauch nicht richtig eingestellt."
Naja, ich hab schon vermutet, dass es solche Phänomene doch nicht gibt. Aber es ist auch schön, an solche Phänomene zu glauben, sich wundersame Sachen vorstellen zu können und in magischem Denken zu versinken. Und wenn dann in Zürich auch noch zwei, drei Menschen mitmachen, ist das um so schöner.
Ganz behutsam schleicht sich Zürich in mein Leben. Und auch ein bisschen in mein Herz. Das ist schön.