Donnerstag, 28. Januar 2021

Wahrgewordener Alptraum

Friends, you know: Ich ekle mich vor Spinnen. Und zwar richtig fest. Das habe ich ja schon in diversen Posts dokumentiert.
Neulich ist nun mein schlimmster Alptraum wahrgeworden...!
Das ging so:
Es ist halb elf in der Nacht. Ich liege im Bett. In einem Einzelbett. Im Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Das Bett steht an der Wand, die Decke ist getäfert. Also zwei Stressfaktoren für Spinneneklerinnen wie mich. So können sich ja überall Spinnen verstecken und mich des nächtens anspringen. Genau aus diesem Grund untersuche ich jeweils vor dem Schlafengehen in diesem Zimmer die Umgebung meines Bettes peinlichst genau nach achtbeinigem Getier. Heute habe ich das aus irgendeinem Grund nicht gemacht.
Ich liege also im Bett. Auf dem Rücken. Ich lese noch ein bitzli. Die Brille habe ich nicht auf, bis zum Buch sehe ich ja noch. Ich bin entspannt. Und konzentriert.
Und dann:
Tägg! Wie aus dem Nichts schiesst etwas in Richtung meines Gesichtes, streift meine linke Wange. Läck Tschäppi! So schnell bin ich garantiert noch nie in meinem Leben aus einem Bett gesprungen! Mein Alptraum - Spinne im Gesicht - wird wahr! Mein Adrenalinspiegel schnellt in die Höhe, mein Puls auch. Ich starre auf das Bett. Zum Glück sehe ich das Viech noch. Es liegt auf meinem Kopfkissen. Bewegt sich nicht. Ich mich auch nicht. Wir starren uns an. Fixieren uns. Wer macht den ersten Schritt? Springt sie mich noch mal an? Hinterlistig wie sie ist? Diese zwei Zentimeter grosse (...), dunkelbraune Kampfspinne? Ich würde es ihr zutrauen. Schliesslich hat sie mich schon sehr gezielt von oben angegriffen. Nur knapp hat sie meinen Mund verfehlt! Ich darf gar nicht dran denken!
Also, wir fixieren uns noch immer. Keine von uns bewegt sich. Und jetzt, wo ich sie mir so ansehe, denke ich plötzlich, dass sie vielleicht ein bitzli Angst hat. Oder zumindest auch erschrocken ist. Vielleicht war es gar kein gezielter Angriff, sondern einfach ein dummer Zufall? Mag sein. Aber das hilft jetzt auch nix. Das Viech muss weg. Bloss wie...? Mit zweiundvierzig Jahren noch das Mami holen, damit sie eine Spinne entsorgt...? I don't know... Nenee, das muss ich alleine schaffen. Ich schaue mich um im Zimmer nach geeigneten Spinnen-Behältnissen. Nach längerer Suche finde ich etwas, das ich über das Viech stülpen kann und etwas, das ich drunter schieben kann. Denn einfach totschlagen ist nach wie vor keine Option.
Gut, I'm ready. In der rechten Hand ein Becher, in der linken ein Karton. Ich nähere mich langsam der Stresszone. Fixiere unablässig das Körperchen mit den Beinchen und rede mir gut zu. Ich bin hier die Stärkere (stimmt, oder...?!). Ich halte den Atem an. Langsam strecke ich meinen rechten Arm aus. Ich atme tief ein. Dann:
Becher auf die Spinne! Gut, getroffen. Jetzt laaaangsam den Karton drunter schieben. Fest andrücken, nicht, dass das Getier entweichen kann. Gut, geschafft. Dann laaaangsam aus dem Zimmer raus, die Treppe runter gehen. Das Konstrukt abstellen, Haustür aufschliessen. Karton, Becher, Spinne sichern, fassen, gefasst raustragen. Draussen auf den Hausplatz absetzen, schnell reinrennen, Türe abschliessen. Durchatmen.
Geschafft! Puuuh, das war knapp!

Zur Beruhigung schaue ich dann doch noch kurz bei Mami vorbei und erzähle meine Horror-Story. Schon besser. Dann rufe ich noch meinen Mann an. Der tröstet mich. Beruhigt mich und versichert mir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass mir das zwei mal in einer Nacht passieren wird, verschwindend klein ist. Ich glaube ihm. Und ein bitzli auch nicht.

Für meinen nächsten Aufenthalt in Mama's Haus habe ich nun ein Moskitonetz gekauft - spinnensicher!