Ich bin Teil einer Gruppe. Mit dieser Gruppe hatte ich neulich ein Weekend verbracht. Das war schön. Am Ende des Wochenendes suchten wir ein Datum für das alljährliche Weihnachtsessen.
Gruppendynamisch ein hervorragendes Forschungsfeld.
Und ein Minenfeld für Verletzungen.
Gopf! Ich will mich dafür entscheiden, den Findungs- und Entscheidungsprozess für ein Datum als Erkenntnis für mich zu nehmen. Nicht als Wertung meiner Person.
Heute gelingt es mir noch nicht.
Das lief so:
Wir sassen am Frühstückstisch. Mit gezückten Agenden. P., die gestern Abend bereits die Initiative zum Datumfinden gestartet hatte, bot sich an, das Essen bei sich zu organisieren. Wir fanden die Idee gut. Zumindest sagte niemand etwas Gegenteiliges. Und ich hatte mal gehört: "Wer nichts sagt, scheint einverstanden.".
So.
Also, Datum finden.
D. klinkte sich aus, sie wird für einige Wochen eh nicht hier sein. R. klinkte sich ebenfalls aus, da sie im November und Dezember jedes Wochenende ausgebucht sei. Mit den Worten: "Schaut nicht auf mich, findet einfach ein Datum und ich schaue dann, ob ich doch kommen kann", verabschiedete sie sich ebenfalls vom Frühstückstisch und wandte sich anderen Aufgaben zu.
Okee, wir suchten ein Datum. Wir fanden eines. Ich freute mich. Es schien mir realistisch, dass ich an diesem Wochenende gemeinsam mit T. in die Schweiz reisen könnte, um gemeinsam mit dieser Freundesgruppe einen schönen Tag verbringen zu können.
Dann C: "Oh, Zürich ist eine weite Anreise für mich" Dann N.:"Wir können das Essen auch bei mir in Bern machen." Dann ich (in meinem Kopf):"Okee, ob Zürich oder Bern, auf diese Stunde mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an. Und bei N. und in Bern übernachten, ist auch schön." Also gut, die Entscheidung für den Ort fiel auf Bern. P., die ursprünglich die Initiative ergriff und bereit gewesen wäre, das Essen bei sich auszutragen, war aus dem Rennen. Sang- und klanglos. Enttäuschung oder Entlastung? Ich weiss es nicht.
Dann kam R. zurück. Ihr erinnert euch (..."wählt einfach ein Datum und ich gucke dann...")
Wir berichteten vom Datum.
Und verschoben es dann, weil R. da nicht kann.
Hä? Das verstehe ich jetzt nicht. Sie sagte doch, wir sollen nicht auf sie schauen. Sie schaue danne einfach und so...
Und noch besser: Wir verschoben es auf einen Tag im Januar, an dem ich zwar wohl kann, jedoch wohl an einen Ort, an den ich unter 5 Stunden Reisezeit nicht hinkomme. Zu einer Aktivität, die mir erstens keine Freude mehr macht (Skifahren) und ich mir zweitens auch nicht leisten will. Mein Einwand, dass ich zum Skifahren nicht dabei sein werde und dass ich dann noch länger anreisen werde, ging ziemlich unter. Ausser bei M., die den Skitag auf einen Schneetag änderte, so dass alle dabei sein könnten. Immerhin.
Ich bin enttäuscht. Dass wir sowohl den Ort wie auch das Datum "einfach so" geändert hatten. Obwohl die ursprüngliche und eigene Aussage war, dass wir auf R.s Kalender keine Rücksicht zu nehmen brauchen. Dass wir als Gruppe nicht realisiert hatten, dass da etwas nicht stimmig ist. Obwohl an diesem Tisch diverse psychologisch geschulte Personen sassen. Und ich ärgere mich vor allem über mich, dass ich nicht Einfluss für mich genommen hatte und das sachlich sagen konnte. Ich war zu enttäuscht, um im Erwachsenen-Ich zu bleiben. Mein Kind-Ich war zu verletzt und verunsichert. Bin ich noch drinnen in dieser Gruppe? Ich weiss es nicht so recht. Irgendwie schon und irgendwie auch nicht.
Ein Leben im Ausland bringt Veränderungen und Abschiede mit sich. Dieser Prozess hier scheint mir ein Teil davon zu sein. Noch schmerzt es. Noch weiss ich nicht so recht, wie ich damit umgehen soll.
Schreiben hilft schon mal.