Ich habe eine Freundin, die ist ganz prima. Die legt mir manchmal ein Geschenk in den Briefkasten, pflegt meine Blumen, wenn ich in den Ferien bin, ist immer für gratis-Essen im Havanna zu haben, bestellt am liebsten Drinks in den grössten Gläsern und sagt offen und ehrlich ihre Meinung, wenn Handys in Babysocken stecken...
Und wenn sie mal von ihrem Arbeitgeber spricht (was eigentlich ziemlich oft der Fall ist...), dann kommt sie aus dem Erzählen nicht mehr raus. Dann geht es zum Beispiel um die vorsintflutlichen Arbeitstechniken, Voucherbüchli schneiden, archivieren in 700'000 Aktenordnern, genau vorgegeben Arbeitsabläufen, etc. etc. Sie kann so lange erzählen, dass es vom Havanna bis zum Absolut in der Bernstrasse reicht (alles zu Fuss) und dann noch mindestens eine halbe Stunde vor dem Erotikshop an der nächsten Ecke. Und obwohl es manchmal ein bisschen kalt ist zum Plaudern, ist es doch immer spannend und unterhaltsam und eigentlich unglaublich, dass es Firmen mit jungen Leuten gibt, die noch so arbeiten.
Liebe Ö.L. ich wünsche dir noch ein bisschen Geduld und B.T. einen modernen, einsichtigen Architekten, der bei der Neuplanung der Büros einfach die Aktenschränke vergisst.