Dienstag, 31. Mai 2016

Sensations-Geil!

Ich bin verärgert. Eigentlich ziemlich hässig! Und das obwohl ich seit einer halben Stunde immer wieder halblaut vor mich hin murmle: "Ich ärgere mich nicht. Es lohnt sich nicht." Und ja, es lohnt sich nicht. Und trotzdem sitzt da diese doofe Gefühl in meinem Bauch.
Der Grund dafür? Ein Baum! Ha! Wie paradox, denkt ihr jetzt, nicht? Ich, die doch Bäume und Wälder und Natur so sehr mag, ärgert sich über einen Baum? Nun, es ist eben ein spezieller Baum. Es ist eine kleine 10-jährige Tanne, die in einem hübschen Garten in meinem Heimatdorf steht. Sie gedeiht da langsam und stetig und hat sich nun in diesen zehn Jahren zu einem ansehnlichen Bäumlein von rund zwei Metern gemausert.
Und sie wurde in der Nacht von letztem Freitag zum Samstag mal eben kräftig durchgerüttelt. Das ist ihr nicht gut bekommen. Dem Besitzer auch nicht. Und mir schon gar nicht! Das Ganze ereignete sich nämlich im Rahmen eines Dorffestes, dessen OK ich leite. Zum letzten Mal dieses Jahr notabene.
Nun, der Ärger mit dem Baum wäre nicht ganz so gross, wären da nicht die Medien, die diesem Zwischenfall übermässig viel Gewicht geben. Der Besitzer ist zwar verärgert, stellt aber nicht das Fest in Frage. Ich schon gar nicht. Denn das Fest ist super. Während drei Tagen habe ich fast nur fröhliche Gesichter angetroffen. So habe ich das auch in meinem Zeitungstext über das Fest geschrieben. Den Sturm im Wasserglas habe ich bewusst nicht herauf beschworen. Der Herr Zeitungsreporter jedoch schon. Titel "meines" Artikels:

"Zwischenfälle am Brunnenfest trüben die positive Bilanz"

Mannmannmann, schon wieder ärgere ich mich. Und es lohnt sich noch immer nicht. Und trotzdem! Kann denn in der Zeitung nicht einfach stehen, dass das Fest schön und fröhlich und lustig war? Denn das war es nämlich. Dieser Zwischenfall und vor allem die sensationelle (…!) Schlagzeile zeichnet ein völlig falsches Bild von unserem Fest. Will denn niemand gute Nachrichten lesen? Interessiert es die Leute mehr, dass Scherben in einem Garten liegen, als die riesige, nein RIESIGE Arbeit der organisierenden Vereine? Ja, es ist doof, wenn Schäden entstehen und ich will es auch gar nicht schön reden. Aber in die richtige Relation will ich es stellen. Da krampfen zig Leute während Tagen für ein gelungenes Fest. Das Fest gelingt. Und dann diese Schlagzeile, dieser Artikel?
Die Welt ist aus den Fugen!