Ich lese wieder mal ein richtiges Buch. Eines mit Buchdeckel, gebunden und mit Umschlag. So richtig schön, um in den Händen zu halten. Es ist in einwandfreiem Zustand. Von einem Autor, den ich gerne lese. Gedruckt im Jahr 2008. Ich habe es in der Bibliothek gefunden. Und ich darf es behalten. Es gehört mir, hat mir die Bibliothekarin gesagt, als ich die Ausleihe bezahlt habe.
Die Geschichte im Buch gefällt mir. Doch irgendwie bin ich immer ein bisschen abgelenkt, wenn ich darin lese. Denn ich glaube, das Buch selbst hat eine lange Geschichte hinter sich. Möglicherweise musste es sich einem harten Kampf stellen. Es sieht so aus, als hätte es ihn nicht gewonnen. Obwohl rein äusserlich nichts darauf hin deutet. Wo und warum und wie gekämpft wurde, weiss ich nicht. Aber meine Gedanken kreisen immer wieder darum herum.
War es überhaupt ein Kampf? Irgendwas muss schon passiert sein. Denn auf der zweiten Seite des Buches steht in Grossbuchstaben reingestempelt:
A U S G E S C H I E D E N
Nun frage ich mich eben, welche Kämpfe sich Bücher liefern, bei denen sie ausscheiden können. Und wann finden die statt? Ob in der Nacht, wenn es in der Bibli mucksmüslistill ist, die Bücher miteinander spielen, raufen, kämpfen? Und wer dann wohl entscheidet, wer ausscheidet? Sicher so ein Anwalt-Buch von John Grisham.
Und am Morgen kommt die Bibliothekarin herein, sammelt die herumliegenden und ausgeschiedenen Bücher ein und stempelt sie ab.
Ja, ich glaube, so ist das.
