Es ist Mittwoch vor Fronleichnam. Ich habe einen Termin um 11.30 Uhr in Solothurn. Ein Interview im Radio 32.
Nice.
Mein letztes übrigens für's Brunnenfest.
Um 9.48 Uhr steige ich in Luzern in den Zug.
Geplante Abfahrt: 9.54 Uhr
Mit dabei: Brötli, Köfferli und Rucksack.
Denn nach meinem Termin geht's dann gleich für ein paar Tage ins Thal. Auf dem Weg in die schönste Barockstadt der Schweiz will ich noch ein paar Dinge für's Brunnenfest erledigen. Zum Beispiel Gutscheine basteln. Also einsteigen, Köfferli versorgen, Jacke ausziehen, Jacke aufhängen, absitzen. Gutschein-Vorlage auspacken. Schere auspacken. Mit basteln beginnen.
Erste Info um 9.53: "Dieser Zug fährt mit einer Verspätung von ca. 3 Minuten."
Kein Problem, denn in Olten habe ich noch immer genug Zeit zum Umsteigen. Alles easy. Ich schnipple weiter.
Zweite Info um 9.57: "Dieser Zug fällt aus. Grund dafür ist eine technische Störung zwischen Sursee und Zofingen."
So oder so ähnlich tönt's nett aus dem Lautsprecher. Netterweise mit der Zusatzinformation, dass um 10.05 der Bummler auf Gleis sowieso fährt und Reisende nach Olten (ja, auch ich) doch diesen nehmen sollen.
What? Echt jetzt?
Yep. tatsächlich.
Okeee.
Gutscheine einpacken, Schere einpacken, Jacke anziehen, Köfferli packen, Rucksack umschnallen und ab die Post auf Gleis sowieso.
Einsteigen, Platz suchen, absitzen.
Atmen.
Dann die schöne Überraschung: Im Abteil sitzt eine Freundin mit ihrem Baby. Das freut mich. Sehr sogar.
Doch die Freude wird ein wenig getrübt. Denn mein Termin um 11.30 Uhr in Solothurn wird unrealistisch. Ich schaffe es frühestens auf 11.40 Uhr. Ein kurzer Anruf im Radiostudio beruhigt mich. 11.40 Uhr ist kein Problem.
Lovely.
Kurzer Anruf zu meinem Mit-Beinterviewten. Ich teile ihm mit, dass es bei mir etwas später wird. Aber alles kein Problem: I'm on the way.
So. Dann geniesse ich jetzt mal die Fahrt. Freundin und Baby sind eine prima Begleitung.
Bis Sursee.
Hier bleibt der Zug im Bahnhof etwas länger stehen als gewöhnlich. Ich ahne nichts Gutes. Und tatsächlich!
Nächste Information: "Dieser Zug verkehrt nicht weiter. Grund dafür ist ein Personenunfall zwischen Sursee und Zofingen. Wir bitten alle Reisenden auf die Bahnersatz-Busse umzusteigen."
Ungefähr so lautet die Ansage.
Okee. Also wieder Jacke anziehen, Köfferli und Rucksack packen. Die Gutscheine habe ich zum Glück schon gar nicht mehr ausgepackt. Meine Freundin kommt nicht mit. Sie fährt zurück nach Luzern. Gute Entscheidung. Mit Baby und Babywagen in einen proppenvollen Bahnersatz-Bus einsteigen, ist nicht lustig. Es ist übrigens auch nicht lustig mit Köfferli und Rucksack. Zum Glück bin ich durch meinen Cuba-Aufenthalt abgehärtet.
Als Letzte moste ich mich noch rein in den Bus. Auf dem zweituntersten Treppli bleibe ich stehen. Das Köfferli halte ich mit dem linken Knie in Position. Den Rucksack fixiere ich zwischen WC-Tür und rechtem Schienbein.
Nice.
Ob ich heute wohl noch irgendwann in Solothurn ankomme? Ich bezweifle es. Darum sende ich eine SMS ins Studio mit der Info, dass ich es wohl eher nicht schaffe. Ob es in Ordnung sei, wenn ich meinen Kollegen alleine schicke. Die kurze Antwort: "OK".
Wahrscheinlich ist die Dame gerade in einer Moderation oder ist kein grosser Schreiberling. Oder es ist ihr auch einfach wurscht? Ist ja jetzt in dieser Situation (wisst ihr noch - ein Bein auf Stufe 2, anderes Bein auf Stufe 3, Rucksack rechts, Köfferli links, Handy in der Hand) auch egal. Ich rufe meinen Kollegen an: Tut mir leid, du musst es alleine machen.
Er nimmt's gelassen.
Ich jetzt auch.
Jetzt, wo alles geklärt ist, geniesse ich die Fahrt. Sie erinnert mich wirklich sehr an meine ÖV-Erlebnisse in Cuba. Nach rund fünfzehn Minuten kommen wir in Zofingen an. Die Tür geht auf. Ich falle raus.
Okee, ein bisschen übertrieben. Aber wirklich elegant steige ich auch nicht aus.
Dann ab zum Perron. Da ist natürlich kein Zug. Es geht weiter mit Warten. Aber nun ist alles easy. Kein Stress. Irgendwann kommt dann ein Bummler, der mich nach Olten bringt. Dann warte ich ein bisschen in Olten. Dann kommt ein Bummler, der mich nach Oensingen bringt. Da wartet netterweise schon ein Postauto auf mich. Naja, auf alle anderen auch. Aber jedenfalls ist es ein Verkehrsmittel, das mich ohne Probleme bis zu meiner Haltestelle bringt.
Köfferli packen, Rucksack anschnallen, aussteigen, heim spazieren.
Und dann: Kaffee trinken mit meiner Mama.
Ende gut - alles gut.
Nice!