Vor einigen Tagen habe ich mal wieder gefastet. So richtig. Also ohne feste Nahrung, nur Gemüsebrühe, Tee und Unmengen Wasser. Es hat mir gut getan. Es ist richtig schön, so nichts essen zu müssen. Ganz ohne Hunger. Jetzt, wo ich wieder esse, fällt es mir viel schwerer, aufs Essen zu verzichten. Alte Gewohnheiten kommen viel schneller zurück, als ich gedacht hätte. Ich bleibe dran und will mich immer wieder ans Fasten und das schöne Gefühl von Wachheit und Leichtigkeit erinnern. Es soll mir helfen, mir über "Essens-Krisen" hinweg zu helfen. Gut, dass ich das aufschreibe. Denn schon während ich schreibe, weiss ich, dass ich den Rest Joghurt, der da so halb verloren im Becher sitzt, heute nicht mehr essen werde. Ich bin satt.
Auch in der Fastenzeit vor fünf Jahren hab ich gefastet. Das war mein erstes Mal.
Meine Erkenntnisse lest ihr hier:
Es ist Fastenzeit. Zeit zum Verzicht. Zeit zum Innehalten. Zeit zur Fokussierung.
Inspiriert von einer Arbeitskollegin, habe ich letzte Woche gefastet. Fünf Tage kein Festes Essen, dafür viel Kräutertee, Gemüsebrühe und verdünnte Fruchtsäfte. Ich hätte mir nicht träumen lassen, wie die Auswirkungen einer solchen Verzicht-Woche sein können! Essen schmeckt und riecht intensiver. Doch noch viel faszinierender als mein neues Verhältnis zum Essen ist mein Bedürfnis nach Fokussierung. Auf einmal wird mir bewusst, wie viele Eindrücke den ganzen Tag gleichzeitig auf mich einwirken. Wie viel Information ich die ganze Zeit aufnehmen und verarbeiten muss. Haben Sie sich das schon mal überlegt? Im Restaurant sitzen, mit dem Gegenüber sprechen, Musik hören, die Nachbarn belauschen, trinken, an den nächsten Gang denken, die Frau am Nebentisch um ihr Haar beneiden – kann alles gleichzeitig passieren. Dass wir da nicht einfach zusammenbrechen, ist doch eigentlich ein Wunder, oder? Ha! Wir sind ein Wunder, wir modernen Menschen. Wir sind Multitasker, belastbar, flexibel. Alles lässt sich gleichzeitig machen.
Und was bringt's?
Ich bezeichne mich nicht als religiös. Doch ich glaube, es macht schon Sinn, dass in den meisten Religionen eine Fastenzeit vorkommt. Fasten – sei es nun der Verzicht auf Nahrung, TV, Alkohol oder irgend sonst etwas – schafft Raum für neue Ideen, inspiriert, kanalisiert die Gedanken und reduziert die Fähigkeit und den Willen zum Multitasking.
Wie befreiend!