Ich mache Nia. And I like it! Meine Freundin T. aus S. bietet seit Januar ihre Nia-Lektionen online an. Für mich ein Gewinn, denn so kann ich trotz rund 400 km Distanz wöchentlich dabei sein. So auch letzten Donnerstag Vormittag. Es ist eine wundervolle Sache. Ich bin voll dabei, versinke in diesen fliessenden Bewegungen und fühle mich wie ein Schmetterling, der aus seinem Cocon schlüpft.
Bis es klingelt.
Ich ignoriere das Klingeln. Denn wer soll hier schon was von mir wollen? Der Päckli-Pöstler kann's auch nicht sein, wir haben nichts bestellt. Und wenn er für einen Nachbarn etwas abgeben will, hat er halt Pech gehabt (der Nachbar, mein ich). Also tu ich so, als wäre nix. Und bin weiter ein Schmetterling, der dem Frühling entgegen flattert.
Bis es zum zweiten Mal klingelt.
Okeee, ich kann's nicht ignorieren. Ich laufe zur Tür. Öffne sie. Und da steht ein älterer Chauffeur, der meinem Nachbarn die Autoreifen bringt... Madremia!
Ich möge doch bitte für die Reifen unterschreiben. Und wo er sie hinstellen solle. Und wie mein Name sei. Und Und Und.
Aaaarrrggghh! Ich will jetzt nicht für Reifen unterschreiben und mir Gedanken machen, wo die hinsollen. Ich bin kurz angebunden. Mache meinen Kribel auf das Lieferblättli des Chauffeurs und lasse ihn mit den Worten "Ich bin in einer Session" (mein erster Gedanke "Ich bin in einem Meeting" funktioniert nicht... schliesslich stehe ich verschwitzt und in Sportkleidern vor ihm) verdattert stehen.
Dann schnell wieder zurück in die Wohnung, weiter tanzen, als wäre nichts gewesen.
Aber das geht nicht. Ich ärgere mich über mich selbst. Dass ich so schnippisch zum Chauffeur war. Dass ich ihn so hab stehen lassen. Dass ich so gestresst war. Dass ich nicht klar denken konnte. Der Chauffeur ist ja echt der Letzte, der etwas dafür konnte, dass er heute die Reifen liefern sollte und mein Nachbar nicht da war. Ich entschuldige mich in Gedanken bei ihm. Sehen werde ich ihn ja wohl nicht mehr.
Und ich lerne.
Seit letzter Woche schalte ich die Klingel während den Nia-Stunden aus.