Sonntag, 24. Januar 2016

Es gibt immer eine Lösung

Erste Kolumne im Anzeiger für Thal-Gäu-Olten vom 12.11.15:

Vor einer guten Woche bin ich zum vierten Mal in Havanna, Kuba gelandet. Die Hitze, die Palmen, die antiken Autos – alles vertraut. Sogar die schwarzen Abgase der Autos empfinde ich im ersten Moment nicht als störend, sondern auf eine eigenartige Weise als wohlduftend.
Nach einer erholsamen Nacht mache ich mich am zweiten Tag auf, die Altstadt Havannas erneut zu erforschen. Die vielen Gegensätze faszinieren mich. Hier die Strasse Obispo, sauber, mit zahlreichen Geschäften, Restaurants, adretten Kubanern und Kubanerinnen, intaktem Strassenbelag und dann eine Parallelstrasse weiter die Calle Obrapía – eine grosszügige Ansammlung aus Löchern und Abfall mit ein bisschen Strassen-Belag dazwischen.
Ganz offensichtlich sind auch die vielen anderen Touristen fasziniert. Sie machen von allen möglichen und unmöglichen Dingen Fotos. Ein schlafender Kubaner im Innenhof bleibt ebenso unverschont wie ein alter, ausgemergelter Kubaner, der die Zeitung „Granma“ verkauft. Erschreckend, wie Armut zu einem romantischen Fotosujet verkommen kann.

Ich bin froh, dass ich nach drei Tagen die laute Hauptstadt verlasse. Freunde aus San Cristóbal, eine kleine Stadt westlich von Havanna, haben mich eingeladen, einige Tage bei ihnen zu wohnen. Der antike Chevrolet, in dem ich die Reise antrete, übersteht zum Glück die zahlreichen Unebenheiten überraschend locker. Gut durchgeschüttelt komme ich an und werde freudig erwartet. Die Familie Paez hat sich auf meinen Aufenthalt vorbereitet. Auf dem Dach haben sie neu einen Wassertank installiert. Im Bad ist eine Dusche mit Heisswasser, in „meinem“ Zimmer sorgt ein Ventilator für Abkühlung und die Matratze wurde extra zum Aufbessern gegeben. Der ganze Aufwand ist mir peinlich. Doch die Freude auf eine richtige Dusche überwiegt und die Aussicht, in einem bequemen Bett zu schlafen, ist verlockend. Doch wie so oft bei Neuanschaffungen in Kuba, folgt die Ernüchterung bald. Der Tank ist leer. Nach kurzer Zeit und selbstverständlicher Nachbarhilfe ist er gefüllt und die Dusche wäre parat. Leider war der Elektriker bei der Installation nicht sehr sorgfältig. Nebst Wasser fliesst auch Strom durch die Brause... Also doch eine „Eimerdusche“ a lo cubano.
Die Matratze ist so dürftig gepolstert, dass ich bei jeder Bewegung erwache.
So haben sich das meine Gastgeber sicher nicht vorgestellt. Und ganz sicher haben sie auch viel Geld für all die „Verbesserungen“ ausgegeben. Wie erleichternd ist es, dass wir nach einer kurzen Beklommenheit in lautes Gelächter ausbrechen können. Duschen mit dem Eimer finde ich ganz in Ordnung und die Matratze haben wir ausgetauscht.
In Kuba gibt es eben immer für alles eine Lösung.