Leute, ihr wisst es: Der Velowagen ist auch der Familienwagen. Ich habe mich längst damit abgefunden und kann nun auch ohne Mühe mein Velo zwischen zwei Babywagen hindurchmosten und ohne Schäden aufhängen. Sogar, wenn ein Baby im Wägeli schläft. Und hey! Dass es anfängt zu schreien, als ich mein Velo aufgehängt hab, hat sicher nur damit zu tun, dass es seinen Nuggi verloren hat.
Aber darum geht es heute gar nicht.
Sondern um gestern.
Da waren nämlich keine Babies im Zug, sondern eine Mama mit ihrem ungefähr 3-jährigen Mädchen. Sie sind auf dem Weg zum Flughafen. Ab in die Ferien. Das Mädchen ist gelangweilt. Es nutzt den Sitzplatz als Turnfeld. Und es hat Hunger. Genauer gesagt, wirkt das Kind ein bisschen verfressen. Es fragt die ganze Zeit, was es denn noch zu essen hat. Mit einem Apfelriegel ist es dann zufrieden. Es will einen zweiten. Aber Mama sagt, dass es den nächsten erst wieder am Flughafen gibt. Und das scheint dann auch tatsächlich so zu sein. Jedenfalls sehe ich keinen Riegel mehr.
Die Mama liest eine Geschichte vor. Ich möchte arbeiten und bräuchte Stille, um mich zu konzentrieren. Leider lenkt mich die Geschichte dann doch recht ab und ich komme zu nichts. Dem Mädchen gefällt's. Doch die Geschichte ist kurz. Also nächster Bespassungs-Programm-Punkt: Malen. Mama hat ganz viele Farbstifte eingepackt. Sogar ein Papier findet sich irgendwo in der Tasche. Es ist zwar furchtbar zerkrügelt, aber es lässt sich trotzdem ausmalen. Würden denn die Stifte malen... Das kleine Mädchen hat keine Chance, die Stifte sind von schlechter Qualität und es braucht unglaublich viel Kraft, einen farbigen Strich aufs Blatt zu bringen. Also muss die Mama ran. Auf dem Blatt sind zwei Figuren zum Ausmalen. Die Mama malt dem Mädchen gelbe Haare. Das Mädchen kritzelt nebendran. Die Mama malt etwas mit blau aus. Das Mädchen ist zufrieden. Es wird gelobt, weil es doch auch ganz schön ausmalen kann. Es kommt in Fahrt und malt und malt und fragt dann: Soll ich dem Jungen braune Haare malen? Es meint die zweite Figur, die da auf dem Blättli ist. Die Mama schaut es an. Und meint:
Das ist kein Junge, das ist ein Affe.