Feierabend! Heute habe ich so lange in den Compi gestarrt, dass mir die Augen brennen. Das mag ich nicht so sehr. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt gemütlich zum Bahnhof fahren kann. Wenn ich pressieren würde, könnte ich den 17.35 Uhr Zug erreichen. Aber ich mag nicht pressieren. Eine andere Variante wäre, mit dem Velo bis Thalwil zu fahren, dann erreiche ich locker den Zug, der um 18.35 Uhr Zürich verlässt. Wäre auch eine schöne Sache und ich wäre noch immer zu einer passablen Zeit zu Hause. Nach einigen Minuten auf dem Velo, bei gefühlten 35 Grad und inmitten einer Blechlawine, die sich durch Zürich zieht, entscheide ich mich dann doch für die gemütliche Fahrt zum HB, um den 18.04 Zug zu nehmen. Den mag ich sowieso viel lieber, weil er nur zweimal hält.
Zur Abwechslung ist es ganz schön, so locker und stressfrei durch Zürich zu fahren, ich mache sogar einen Schlenker durch die Bahnhofstrasse und verschaffe mir mal wieder ein paar neue Eindrücke über Zürich. Momoll, ganz passabel diese Stadt.
Ich bin so früh am Bahnhof, dass mir sogar noch Zeit bleibt, ein feines Znacht beim Hiltl zu holen - I love it!
Dann ab zum Perron 4. Dann schon bald die Durchsage, dass der Zug nach Oerlikon ausfällt. Grund dafür: Technische Störung am Fahrzeug. Nun, kümmert mich nicht, ich will in die andere Richtung.
Dann fährt mein Zug ein, alle steigen ein, wie immer in einem kleinen Gerangel, weil sich alle einen Platz ergattern wollen. Mit dem Velo mach ich da tendenziell Zweite, kann ja die anderen nicht wegschubsen. Aber ich finde trotzdem noch ein Plätzli. Nice.
Dann sitze ich im Zug. Es ist 18.05. Dann 18.07. Dann kommt die Durchsage: Die Abfahrt verzögert sich. Grund: Technische Störung.
Okee. Ich bin so müde, dass es mir egal ist. Ich esse mein feines Hiltl-Znacht und bin guter Dinge, dass ich schon irgendwie nach Hause komme. Nach einigen Minuten die neue Durchsage: Wir können noch immer nicht fahren. Wir arbeiten daran.
Okeee. Ich könnte aussteigen und den 18.35 Uhr Zug nehmen. Das war ja eh mein ursprünglicher Gedanke. Aber ich bin zu müde, um aufzustehen. Also warte ich mal ab.
Dann di neue Durchsage: Wir fahren in unabsehbarer Zeit ab. Reisende nach Zug steigen besser um. Hmm. Ich will aber nach Luzern. Also bleibe ich noch ein bisschen sitzen. Als alle Leute - also viele, ein paar sind schon noch drin - ausgestiegen sind, fährt der Zug los. Ich grinse. Und ich freue mich, dass es jetzt los geht. Dann die neue Durchsage. Wir fahren mit einer Verspätung von 15 Minuten.
15 Minuten, das ist ja nix!
Bloss, im Schweizer Schienenverkehr ist so eine Verspätung schon noch so eine Sache. Es sind so viele Züge unterwegs, dass unserer immer mal wieder abbremsen muss. Irgendwann bleibt er dann ganz stehen. In Sihlbrugg... Wer des öftern mit dem Zug von Zürich nach Luzern unterwegs ist, weiss, dass hier kein offizieller Halt ist... hmm...Merkwürdig. Nun ja, abwarten. Denn etwas anderes bleibt uns nicht übrig. Neue Durchsage: Wir fahren noch nicht ab. Technische Störung.
Dann: Warten. Dann: Durchsage: Unser Zug kann nicht mehr weiterfahren. Bitte vorsichtig aussteigen.
Also steigen wir aus und quetschen uns auf das Mini-Perron am Bahnhof Sihlbrugg. Und dann kommt er, der Zug, der um 18.35 Uhr Zürich verlässt. MEIN Zug. Er wollte wohl einfach, dass ich mit ihm fahre.
So, ganze Kompagnie einsteigen. In einen Zug, der eh schon voll ist. Aber es geht. Alle Velos, Kinderwagen, Koffer finden ein Plätzli. Und der Inder, der sich nach der ersten Klasse erkundigt, steigt dann auch noch ein. Ob er dann die ganzen neun Wagen bis zur ersten Klasse durchläuft, krieg ich dann nicht mehr mit. Denn ich "unterhalte" mich mit einem Kleinkind, das mir glücklich seine Bilderbücher zeigt.