Montag, 15. Februar 2016

Die Top Five der Eigenschaften, Bedürfnisse und Kenntnisse, über die man nicht verfügen sollte, wenn man längere Zeit in Kuba bleiben möchte

Samstag, 13. Februar 2016

1. Ungeduld
Eineinhalb Stunden darauf zu warten, dass man sich die Fingernägel lackieren kann, wird zur fast unerträglichen Geduldsprobe. In einer Schlange anstehen, um WC-Papier zu kaufen (das es dann gar nicht gibt) bringt dich zum Weinen. Hungrig auf das Essen zu „blangen“ und dann kommt noch Besuch dazwischen, lässt dich erschöpft ins Sofa fallen.

2. Bedürfnis nach Intimsphäre
Körperkontakt ist in Kuba unumgänglich. Wer sich im vollgestopften Camion nicht durch die Massen nach vorne schiebt, fällt hinten einfach raus (oke, ein bisschen übertrieben). Wer im Sammeltaxi versucht, des Nachbars Beine nicht zu berühren, hat nach spätestens fünf Minuten einen Krampf. Wer dem Besuch nicht höflich einen Kuss auf die Wange drückt, wird schräg angeschaut. Keine Ahnung, wie viele wildfremden Menschen ich hier bereits küssen musste. Und immer schön mit ganz lautem Schmatzen.

3. Hygiene-Bewusstsein
Rohes Fleisch an der prallen Sonne. Fliegen, die sich auf aufgehängten Schweineköpfen sonnen, Ameisen, die sich an einer Schweineleber gütlich tun. Ein altes Stück Holz, das als Schneidebrett dient. Eine rostige Machete als Schneidewerkzeug. Ein klebriges Stück Plastik als Verpackung für Guyabe. Teller, die mit kaltem Wasser und Waschpulver gewaschen werden. Wie oft habe ich wohl schon an Frau Dubs gedacht. Sie hat uns während der Vorbereitung zur Wirteprüfung unzählige Male vor Augen geführt, wie schnell sich Mikroorganismen verdoppeln...

4. Kenntnisse einer gesunden Ernährung
Bananen in heissem Öl frittiert. Kroketten in heissem Öl frittiert. Schweinefleisch in viel heissem Öl angebraten. Fettsauce über gebratene Yuca gegossen. Gesüsste Fruchtsäfte, überzuckerter Kaffee, Refresco, das zu drei Vierteln aus Zucker besteht. Verkochte Spaghetti mit viel Käse und fettigem Schinken, vor Fett triefende Pizzas. Wenig Gemüse. Und Kubaner, die dich fast zum Essen zwingen.
Manchmal ist es nicht so einfach.

5. Angst vor Spinnen
Die Eigenschaften 1-4 habe ich mehr oder weniger im Griff und finde eine Lösung.
Meine Angst vor Spinnen jedoch sitzt tief und es graust mich einfach vor diesen vielbeinigen Viechern. Blöderweise gibt es immer wieder Exemplare, die sich in mein Zimmer getrauen. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum ich nicht so gut schlafe. Jede Nacht erwache ich, schalte das Licht ein und überprüfe die Zimmerdecke und das ganze Bett auf Spinnen. So auch diese Nacht. Und da sehe ich ES: Es sitzt gross und fett vis-à-vis von mir an der Wand. Ein schwarzes achtbeiniges Getier. Ich fixiere das Ungetüm und sogleich setzt es sich in Bewegung. Oke, solange ich es noch sehe, ist es nicht so schlimm. Und es ist ja auch schon vier Uhr am Morgen. Ich kann locker bis sieben Uhr lesen. Dann nämlich erwacht der Rest des Hauses und ich kann jemanden um Hilfe bitten. Doch plötzlich sehe ich das Tier nicht mehr. Ohoh. Das ist nicht gut. Gar nicht gut.
Im Wohnzimmer will ich nicht schlafen, da ist die Lage noch weniger überschaubar. Also bleibt mir dann doch nicht viel anderes übrig, als meine „Gastschwester“ zu wecken. Und so kommt es, dass sie um vier Uhr am Morgen mit einem Schuh auf Spinnenjagd geht. Zuerst finden wir das Tier hinter dem Nachttisch, dann unter dem Bett, dann unter dem anderen Nachttisch. Dann endlich gelingt es meiner Retterin, das Tier zu erschlagen. Das finde ich nicht so toll. Lieber hätte ich die Spinne in einem Glas sicher nach draussen gebracht. Das wäre „Karma-technisch“ sicher besser. Aber es graust mich viel zu fest. Und so sitze ich wie ein Häufchen Elend auf dem Bett und schaue zu, wie der Grund für meine Schlaflosigkeit grausam ermordet wird.