Montag, 8. Februar 2016
Ich wohne zur Zeit in „La Muralla“. Hier gibt es nicht viel mehr zu tun, als vor der Tür zu sitzen oder die Nachbarn zu besuchen. Meine Konversationen sind meist eher dürftig und einfach gestrickt. Und ich möchte hier erwähnen, dass das nicht an meinen Spanisch-Kenntnissen liegt, sondern ganz einfach an den unterschiedlichen Interessen und logischerweise auch daran, dass man mit Bekannten nicht immer grad über das Leben philosophieren oder seine Sorgen austauschen möchte.
Da fehlen mir halt schon ein wenig meine Freunde! Doch die sind in der Schweiz und hauptsächlich übers Internet erreichbar. Und Internet gibt es eben hier in La Muralla nicht. Im nächst grösseren Dorf San Cristóbal gibt es zwar zwei Computer mit Internet-Anschluss. Doch die Verbindung ist so langsam, dass der Kredit abgelaufen ist, bevor ich auch nur ein Email senden kann.
Okeoke, ist ein wenig übertrieben. Aber so ungefähr könnt ihr es euch vorstellen, oder?
Also reise ich für eine schlaue Internet-Verbindung (Wifi, yeah!) ins 40 Kilometer entfernte Artemisa. Heute bin ich nun zum ersten Mal ganz alleine – also auch ohne Velo – unterwegs. Ich reise mit dem „ÖV“.
Das geht so: Mit dem Pferdewagen von „La Muralla“ nach San Cristóbal (rund drei Kilometer). Alternativ könnte ich auch das Bici-Taxi nehmen. Aber das kostet 1 Dollar und ist im Vergleich zum Pferd zwölf Mal teurer. Das so gesparte Geld setze ich lieber für eine Coca-Cola ein. Yes :-)
Von San Cristóbal geht es weiter mit einem Taxi für fünf bis zehn Personen nach Artemisa.
Ich bin freudig überrascht, wie gut die Reise klappt. Auf der Pferdekutsche bin ich die Letzte, um den Wagen voll zu machen und wir können los. Lovely.
Im Dorf angekommen, kaufe ich zuerst mal Frühstück und mache mich auf zu den Taxis, die mich nach Artemisa bringen. Und auch dort scheinen sie nur noch auf mich zu warten. Es sitzen bereits neun Personen im Taxi. Kaum bin ich eingestiegen, geht es schon los. Die Maschine ist super schnell. In 50 Minuten bin ich in Artemisa, inkl. einer Polizei-Kontrolle. Die Rückreise gestaltet sich ähnlich einfach. Im Bus-Terminal rufen sie laut „Maquina a San Cristóbal“ aus. Keine zehn Minuten später ist das Auto voll und wir können los.
So komme ich bereits um vier Uhr am Nachmittag in San Cristóbal an. Es ist ein schöner, sonniger Tag. Auf der Reise und in Artemisa bin ich hauptsächlich gesessen – heja, war ja nicht zum shoppen dort, sondern eben, um ein paar Emails zu senden und diesen Blog hier nachzutragen. So entscheide ich mich, zu Fuss nach La Muralla zu gehen. Es ist ja nicht so weit und ich freue mich, ein wenig die Beine zu vertreten.
Nach einem halben Kilometer pfeift mir jemand kräftig nach. Es ist ein Cousin meiner „Gastfamilie“, der mich hat vorbei spazieren sehen und sich offensichtlich darüber freut, dass er mich entdeckt hat. Jedenfalls winkt er fröhlich und ruft mir die obligatorische Begrüssung „todo bien?“ über die Strasse zu. Irgendwie herzig. Jaja, todo bien, gracias. Nos vemos.
Weiter geht's. Keinen Kilometer später hält ein Auto rund zwanzig Meter vor mir an. Es ist ein moderner VW, schwarz. Und ich denke, dass es mir Spass machen würde, mit diesem Auto in Kuba herum zu düsen. Und dass ich einen Freund in der Schweiz habe, der ein gleiches Auto hat (hola B. ;-)
Während ich also noch über das ungewöhnlich schöne und vor allem ziemlich unversehrte Auto nachdenke, setzt dieses zurück, bis es auf meiner Höhe ist.
Oha.
Aber klar! Das ist ja mein Nachbar. Er hat mich erkannt. Jaja, spazierende, blonde Rucksack-Trägerinnen mit weissen Beinen werden hier halt schnell erkannt... Also nix mit heim spazieren. Er nimmt mich mit.
Ich bitte ihn, mich beim Früchte- und Gemüsehändler abzusetzen. Vladimir, der Händler, fällt jeweils fast aus seinem Häuschen, wenn er mich vorbei gehen sieht. So sehr winkt er mir zu. So auch heute. Und noch mehr freut er sich, dass er mir bei der Wahl meiner Einkäufe helfen darf. Sichtlich stolz zeigt er mir, wie ich eine Fruta Bomba auf ihre Reife überprüfen kann. Schwer beladen mit einer riesigen Fruta Bomba und einer Ananas spaziere ich zufrieden heim.
Momoll, ich komme auch ohne Stütz-Rädli ganz gut zurecht.
Nice.