Montag, 8. Februar 2016

ÖV in Kuba

Samstag, 6. Februar 2016

Heute reise ich von Baracoa zurück nach San Cristobal. Zuerst geht's mit einem alten Chevrolet zur Autobahn-Brücke. Ich bin froh, dass ich nicht die ganze Tür in der Hand halte, als ich sie öffne. Dieses Exemplar kann also wirklich nicht mehr als antik, sondern nur noch als alt bezeichnet werden. Aber es bringt mich sicher zur Autobahn. Dort warte ich unter der Brücke auf den nächsten Transport. Geduld ist eine gute Tugend in Kuba. Nach rund fünfzehn Minuten hält jedoch bereits ein Camion. Doch der will satte 40 Peso bis San Cristobal! Das ist fast doppelt so viel wie normal. Also warte ich noch ein Weilchen. Respektive ein Stündchen. Denn nach diesem Camion kommen nur noch solche, die nur bis Artemisa fahren. Ich reise jedoch rund 20 Kilometer weiter.
Endlich hält dann ein Camion, der mich für 25 Peso Cubano ans Ziel bringen soll. Ich klettere hoch, quetsche mich mit meinem Rucksack durch die Massen und setze mich auf ein freies Fleckchen auf der Holzbank.
Der Chauffeur hat es gar nicht eilig und tuckert im Schnecken-Tempo dahin. Alle paar Meter – so fühlt es sich jedenfalls an – hält er wieder an, um neue Passagiere aufzuladen. Irgendwann werden die Kubaner an Bord ungeduldig und geben ihrem Unmut lauten Ausdruck. Einige sind schon seit Havanna unterwegs und haben für die Strecke fast doppelt so lang gebraucht wie sonst. Irgendwann wird's also auch den gelassenen Kubanern zu bunt. Der Chauffeur scheint's zu spüren, dass Feuer im Busch ist und gibt endlich mal Gas. Das Glück ist jedoch von kurzer Dauer. Kurz darauf verlangsamt er, hält an, lässt neue Passagiere einsteigen. Platz zum Sitzen hat's schon lange nicht mehr. Aber so langsam wie er unterwegs ist, muss man sich nicht mal wirklich festhalten.
Weiter geht's. Um wenige Minuten später wieder anzuhalten. Diesmal steigen acht Touristen ein. Ihr ursprüngliches Taxi hatte eine Panne und der Chauffeur hat den Camion angehalten. Mit sichtlichem Unwohlsein steigen die acht Touristen auf den Camion auf und schauen geschockt in die dicht gedrängte Kubaner-Masse, die da auf vier Holzbänken ihrem Reiseziel entgegen tuckern. Für eine Weile sind die acht neuen Passagiere eine Attraktion für die Einheimischen. Der langsame Chauffeur gerät etwas in den Hintergrund. Und als es zu regnen beginnt und das Dach des Camions genau dort rinnt, wo die acht Ausländer stehen, erreicht die Stimmung einen kurzen Höhepunkt. Bei den Ausländern nicht. Die sind erleichtert, als sie nach einigen Kilometern wieder aussteigen können.
Der Rest der Fahrt ist unspektakulär. Nach einer guten Stunde Reisezeit bin ich am vorläufigen Ziel – die Autobahn-Brücke von San Cristobal. Von dort kann ich entweder zu Fuss nach Hause gehen. Oder mit dem Bici-Taxi oder mit einem Pferde-Wagen. Heute entscheide ich mich für das Pferd. Für einen Dollar bringt mich der Kutscher bis vor die Haustür. Wie immer in Kuba gut durchgeschüttelt. Das nächste Mal gehe ich zu Fuss.

Typischer Camion in Kuba: