Dienstag, 1. März 2016
Das Aufwachen heute Morgen ist nicht besonders angenehm. In der Nacht wurde ich von Mücken attackiert. Das wird mir jetzt bewusst. Ich versuche, die Stiche zu ignorieren und das Frühstück zu geniessen. Es gelingt gar nicht schlecht. Und das, obwohl ich mich zu beidem (ignorieren sowohl geniessen) ziemlich überwinden muss. Der Vorteil am lieblosen Frühstück: die zwei hingelegten Bananen und die vielen trockenen Brot-Scheiben kann ich prima mitnehmen und dienen mir tip top als Zwischenverpflegung auf meiner heutigen Etappe.
Nach einer kurzen Fotosession mit meinen deutschen Freunden und meinem Velo, einer herzlichen Verabschiedung von den Deutschen und den italienischen Touristinnen im Nachbarhaus, ohne Verabschiedung von den Besitzern „meines“ Hauses (wer von diesen diversen Leuten, die da immer irgendwo herumschleichen, jedoch nicht mit mir sprechen und sich auch nicht wirklich um das Wohl der Gäste kümmern, ist überhaupt der Besitzer?) schwinge ich mich aufs Velo und düse los.
Mein heutiges Zwischenziel: Las Martinas! Das liegt gut 40 Kilometer von La Bajada entfernt. Und ich muss sagen, es sind 40 anstrengende Kilometer. Denn jetzt, wo mir der Wind ins Gesicht bläst, die Strasse etwas bergauf geht und ich die Strecke zum grössten Teil bereits kenne, muss ich mich schon ein bisschen motivieren, um die Freude am Velofahren zu finden. Mit einem Amateur-Mental-Training gelingt mir das glücklicherweise ähnlich gut wie das Überwinden beim Frühstück. „Gring abe und trampe“ ist die Devise.
So fahre ich in Las Martinas ein, ohne es überhaupt zu merken! Gerade noch rechtzeitig entdecke ich das Ortsschild! Hier findet dann die zweite Foto-Session des Tages statt. Es blendet unheimlich und ich sehe eigentlich gar nicht so genau, was ich da fotografiere. Erst als ich dann später die Fotos anschaue, entdecke ich den „Einwohner“ von Las Martinas, der sich hier prima positioniert hat.
Das schönste an meiner Durchreise: Heute ist Feiertag in Las Martinas! Ich geniesse ein Refresco, Malanga frita, die Musik aus den Lautsprechern und die Tatsache, dass ich es geschafft habe, hierher zu reisen!
Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf Richtung Cortes. Das sind von hier noch zirka 25 Kilometer. Nach sechs Kilometern gebe ich mein Vorhaben jedoch auf. Der Gegenwind und die wirklich ganz schlechte Strasse werden auch mit dem besten Amateur-Mental-Training nicht besser. Ich entscheide mich, umzukehren und auf einem bereits bekannten Weg nach Sandino zu fahren und von dort dann die Abzweigung nach Bolivar und somit zur Laguna Grande zu nehmen.
Die Entscheidung hat sich gelohnt. Nicht nur, dass ich nun einen grösseren Teil wieder mit Rückenwind unterwegs sein kann und die Strasse ganz in Ordnung ist, sondern vor allem, dass ich überraschend schnell in La Laguna Grande ankomme! Irgendwie habe ich mich verrechnet und gedacht, dass ich erst so um fünf am Abend da eintreffen werde. Gross ist die Freude, als ich nach einer wunderschönen, einsamen, grünen, ländlichen, fantastischen Landschaft zur Kreuzung gelange, bei der ich zum Hotel Laguna Grande abbiege. Der Grund, warum ich überhaupt hierhin will, sind die vier Deutschen, die von diesem Ort geschwärmt haben.
Die letzten sechs Kilometer sind dann doch noch recht kräfteraubend und kommen mir viel länger vor. Doch der Anblick, der sich mir bietet, als ich auf der Anhöhe ankomme, entschädigt für alles! Ich bin vom schönsten Strand der Welt zur schönsten Lagune der Welt gefahren – wie schön!
Der Empfang im Hotel (eine kleine Bungalow-Anlage) ist äusserst herzlich. Die Empfangsdame führt mich zu einem Häuschen, zum Restaurant und sogar zum Billard-Tisch und erklärt mir, wie hier alles funktioniert. Ich bin begeistert und buche für zwei Nächte. Mein Häuschen ist die Nummer drei. Ich stelle mein Velo inkl. Gepäck ins Haus und mache mich auf ans Wasser, um mich von der Schönheit der Lage bezaubern zu lassen. Es scheint mir das Paradies auf Erden!
Bei meiner Rückkehr zum Häuschen drei klemmt dann leider meine Tür und ich kann nicht rein. Und so lerne ich so ziemlich sämtliche Angestellten der Hotelanlage kennen. Denn der Reihe nach versucht jeder, meine Tür zu öffnen. Wer nicht probiert, sieht zumindest zu. Nach einer Viertelstunde ist die Tür geöffnet. Und ich erhalte netterweise ein anderes Häuschen zugeteilt.
Es ist herrlich ruhig, ich bin der einzige Gast und werde äusserst herzlich, und nicht aufdringlich (!) umsorgt!
Ich bin ein Glückspilz!

