Freitag, 11. März 2016

4. Etappe von La Laguna Grande nach Viñales (119 Kilometer)

Donnerstag, 3. März 2016

Was für eine Morgenstimmung! Einmal mehr bin ich fasziniert von Palmen und Sonnenlicht. Es scheint mir eines der schönsten Sujets der Welt zu sein. Irgendwie löst das ein ganz schönes Gefühl bei mir aus. Und wahrscheinlich darum habe ich ungefähr 750'000 Fotos mit Palmen drauf. Wäre es nicht ganz so umständlich, würde ich wohl jede Palme Kubas fotografieren.
Der Abschied von La Laguna Grande ist herzlich. Die Mitarbeiter wünschen mir eine gute Reise und winken mir fröhlich hinterher. Nach der ersten Kurve treffe ich auf eine kleine Herde Schafe, die mich ebenfalls verabschiedet.
Die ersten sechs Kilometer erfordern dann meine ganze Aufmerksamkeit. Es hat doch das ein oder andere Loch in der Strasse... Doch danach kommt ein Abschnitt, der mich euphorisch in die Pedalen treten lässt. So macht Velofahren einfach Spass! „Gring abe und trampe“, denke ich erfreut und fühle mich grossartig! Auf dem Weg nach Guane erhalte ich Begleitung. Ungewollt, muss ich dazu sagen. Ein junger Kubaner ist mit seinem Velo ebenfalls auf der gleichen Strecke und denkt wohl, dass ich mich über den Eskort freuen könnte. Meine Freude hält sich in Grenzen. Wie üblich in Kuba, werde ich zuerst mal gefragt, aus welchem Land ich komme. Und einmal mehr frage ich mich, warum das die Kubaner so sehr interessiert. Ich meine, was fangen sie mit dieser Information an? Sogar am Flughafen bei der Ankunft wurde ich das gefragt, en passant. Notiert wird es ja dann nirgends. Möglicherweise ist es einfach der einzige Satz, den sie in Englisch sagen könne.
Item.
Jedenfalls fragt mich der junge Mann, ob ich aus Deutschland sei. Ich verneine. Mehr sage ich nicht. Ich habe nämlich gelernt, dass es für mich besser ist, wenn ich mich gar nicht erst auf ein Gespräch einlasse. Meist endet das dann irgendwie komisch. Also fahre ich einfach ein bisschen hinter dem Mann her, in der Hoffnung, dass er schneller in Guane sein will als ich.
Will er jedoch nicht.
Immer wieder taucht er auf meiner Höhe auf und fragt mich allerlei. Er fragt mich, ob hinter mir noch mehr Touristen kommen, was ich wiederum verneine, mit der Ergänzung, dass ich es vorziehe, alleine unterwegs zu sein. Jaja, das verstehe er, alleine sei es besser, meint er. Super, denke ich, dann könnte er ja jetzt von dannen ziehen.
Tut er jedoch nicht.
Also halte ich an und krame mein Handy hervor, um ein paar Fotos zu knipsen. Er hält ebenfalls an. Ich sage ihm, dass ich lieber alleine fahren möchte.
Er: „Aber ich fahre auch nach Guane“.
Ich: „Jaja, ok, dann fahr mal los“.
So, das hat er dann kapiert. Nun kann ich die Weiterfahrt in Ruhe und in meinem Rhythmus geniessen. Lovely.
Der Rest der Fahrt verläuft friedlich und gemächlich. Die Landschaft um Viñales ist beeindruckend und ich bin versucht zu schreiben, dass ich im schönsten Tal der Welt unterwegs bin. Doch das kann ich nicht, denn das schönste Tal der Welt ist halt immer noch „mein Thal“. Dann kommt das Maderanertal und dann aber schon bald das Tal von Viñales. Die Mogoten sind beeindruckend!
Die Strecke ist hügelig. Nach kurzen Anstiegen geht es wieder runter und ich komme mir fast vor wie auf einer Achterbahn. Irgendwann ist es aber dann nicht mehr lustig. Als ich endlich das Städtli Viñales von oben erblicke, kann ich nicht anders, als meine Faust in die Höhe zu recken und laut zu rufen „on va gagner!“. Immer wieder kommt mir auf meiner Fahr dieser Ausruf in den Sinn. Er gehört zu einer Geschichte, die ich vor Jahren an einer Hochzeit gehört habe und ich freue mich, dass ich auf meiner Reise hier an das glückliche Hochzeitspaar denke.
Bis zu meiner Ankunft in Viñales kommen dann aber doch noch mal ein paar Hügel. Auf und ab und auf und ab und auf und ab. Und dann fahre ich ein in dieses beschauliche Städtli. Netterweise haben sie zu meiner Einfahrt Jacob Forevers „Hasta que se sece el Malecón“ aufgelegt.
Nach einem herrlichen Kaffee stehe ich am Strassenrand und warte darauf, dass mich der Besitzer meiner Unterkunft abholt. Und wer fährt da an mir mit dem Auto vorbei? Die zwei italienischen Touristinnen aus La Bajada. Wir begrüssen uns wie alte Freundinnen und plaudern ein bisschen. Das ist eine schöne Begegnung. Dann fahren die zwei Damen (Mutter und Tochter) weiter und ich werde abgeholt.
Zum Abendessen wünsche ich mir viel Salat und Poulet. Die zwei vitaminlosen Tage in Laguna Grande haben mein Vitamindepot schrumpfen lassen. Ich komme in den Genuss von Lorenzos Kochkünsten und haue mächtig rein. Keine Ahnung, wann ich zuletzt so viel Salat gegessen habe. Es fühlt sich super an!