Montag, 29. Februar 2016
Freunde, falls ihr irgendwann in eurem Leben die Möglichkeit haben solltet, dann unternehmt die schönste Tour, die es auf dieser Welt geben kann! Die Strecke, die ich heute fahre, ist nur kurz und führt mich von La Bajada nach Maria La Gorda. Auch wenn es dort „nur“ ein Hotel gibt, so will ich doch unbedingt da hin. Und es lohnt sich! Zwar nicht für's Hotel. Das ist nicht wirklich hübsch, der Strand eignet sich nicht zum Baden (wahrscheinlich ist es darum auch eigentlich ein Taucherzentrum...) und ich fühle mich irgendwie nicht so wohl unter den Touristen, Katzen und Hunden, die hier überall herumstreunen und -sitzen.
Doch äbe, die Fahrt dahin ist einmalig! Und genau so, wie es eine Freundin gesagt hat: „Die Sonne im Nacken, das Rauschen der Wellen im Ohr“. Es ist einfach perfekt! Vierzehn Kilometer Dauergrinsen vor lauter Glückseligkeit begleiten mich auf dem Weg. Nur ab und zu werde ich ernst, nämlich dann, wenn der gute Teer-Belag sich mit löchrigen Abschnitten abwechselt und ich mich auf die Strasse konzentrieren muss. Und das kommt doch einige Male vor.
Nach einer Stipvisite in Maria La Gorda fahre ich wieder zurück. Denn unterwegs bin ich an wunderschönen Strandabschnitten vorbei gefahren. Und an einen solchen fahre ich nun. Ich bin ganz allein hier! Mein Privatstrand ist der schönste der Welt! Das Wasser ist klar, die Sonne spiegelt sich darin und bringt die schönsten Farben zum Vorschein. Der Sand ist fein und die zahlreichen „Fuss-Spuren“ von kleinen Krebsen und Vögeln machen deutlich, dass ich hier in einem Naturschutzgebiet bin.
Ich kann mein Glück fast nicht fassen! In meiner Euphorie getraue ich mich sogar ins Wasser. Ich muss dazu sagen, dass ich nämlich ein ziemlicher Schisshaas bin, wenn es darum geht, im Meer oder in einem See zu schwimmen. Irgendwie habe ich zu viel Fantasie und ich stelle mir immer vor, was da alles unter mir durchschwimmen, mich packen und mit sich reissen könnte. Wenn jemand dabei ist, kann ich das ganz gut ausblenden. Aber so alleine – nä-äh! Lieber nicht.
Aber äbe! Das klare Wasser und die Ruhe, die mich hier umgeben, bringen mich dazu, ganz alleine einzutauchen in das klare, kühle, salzige Wasser. Und es fühlt sich super an! Ich schwimme ein paar Meter hinaus. Dann wird es mir doch zu unheimlich und ich kehre um. Auf dem Rückweg entdecke ich voller Entsetzen drei Riesenschildkröten! Eine davon schwimmt genau auf mich zu! Oh my god! Könnte ich doch nur schneller schwimmen! Ich sehe mich schon zerfleischt im Wasser versinken. Beissen Schildkröten überhaupt? Ich denke an die herzigen Tortugas in „Nemo“, aber ob alle so freundlich sind? Vor lauter Angst kann ich nur noch wie ein Hund schwimmen (oke, ich kann es auch sonst nicht viel besser). Mit Müh und Not kämpfe ich mich aus dem Wasser und rette mich an den Strand. Entsetzt starre ich auf das Wasser, das doch gerade eben noch so ruhig und friedlich ausgesehen hat. Und nach einer halben Minute ist es das auch wieder. Die Riesenschildkröte, die es auf mich abgesehen hatte, bleibt den ganzen restlichen Nachmittag am gleichen Ort. Sie rührt sich nicht vom Fleck. Und je länger ich sie beobachte und ein bisschen darüber nachdenke, desto sicherer bin ich, dass es doch nur ein grosser Stein war, der dank Lichtreflexion, Wellenbewegungen und einer unglaublichen Fantasie meinerseits zu einer gefährlichen Bestie wurde.
Nice.
Ins Wasser gehe ich dann trotzdem nicht mehr.
Ich geniesse es, den Strand für mich alleine zu haben. Ich sitze auf meinem „ThinkPink“ Tuch von Average Beach, schreibe Tagebuch, blicke auf die unendliche Weite des Wassers hinaus, spaziere am Strand entlang, finde Muscheln von unglaublicher Schönheit (hab ich schon gesagt, dass hier alles unglaublich schön ist...?) und geniesse die unglaubliche Schönheit des Lebens.
Als die ersten Strandflöhe (oder was sind das für Tierchen, die mich zwicken?) auftauchen, mache ich mich auf den Nachhauseweg. Kaum bin ich im Haus angekommen, kommen auch meine vier deutschen Freunde zurück. Ganz begeistert erzählen sie mir von ihrer Tour durch das Naturschutz-Gebiet. Es ist schön, sich zur Abwechslung mal nicht auf Spanisch zu unterhalten. Und ich geniesse die Gesellschaft dieser vier unternehmungslustigen Herren, die seit vielen Jahren jährlich drei Wochen gemeinsam Abenteuer-Ferien machen.
Dass wir den Abend und unsere Bekanntschaft mit Rum begiessen, versteht sich schon fast von selbst!