Donnerstag, 17. März 2016
So, I'm on tour! Superschnell erreichen wir heute Havanna und das Haus von Y.'s Grosseltern. Es ist fertig gestrichen, aufgeräumt und geputzt und bei unserer Ankunft gibt es „in 15 Minuten“ Mittagessen. Also bleiben wir. Gut eineinhalb Stunden später (no joke) wird das Essen aufgetragen. Halb ohnmächtig vor Hunger (okeoke, mal wieder ein wenig übertrieben) stürze ich mich auf Reis, Bohnen, Süsskartoffeln und Salat.
Dann endlich geht's auf nach Habana Vieja!
Vor dem Capitolio, das seit mindestens fünf Jahren renoviert wird, wird nun auch noch der Strassenbelag renoviert. Der breite Mittelstreifen, der bis letztes Jahr noch als Parkplatz genutzt wurde, ist nun offiziell ein Gehweg und mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Es sieht richtig schön aus!
Es scheint, dass Obama hier durchfahren wird.
Nach einem Mojito im Restaurant, dessen Name ich immer wieder vergesse und einem Bier inklusive Fleischspiess im Casa de la Cerveza spazieren wir am Malecón entlang. Jedoch nicht lange. Denn schon bald zieht es uns ins nächste Restaurant. Heute ist irgendwie ein durstiger Tag...
Wir – respektive ich – kommen mit dem Paar am Nebentisch ins Gespräch. Schon als wir uns gesetzt haben, ist mir das T-Shirt der Frau aufgefallen. Auf dem Rücken prangt die Aufschrift „have fun – help people“. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll.
Ich unterhalte mich ein wenig mit dem Ehepaar. Es sind Amerikaner, beide so um die fünfzig und sie erzählen mir, dass sie als Voluntär hier sind – für sieben Tage. Eigentlich hätten sie in einer Schule antraben sollen, doch dann wurde ihr Programm umgestellt (das kennen wir ja bereits aus Kuba) und so kamen sie in den Genuss, unterhalb der grossen Christus-Statue, die am Hang gegenüber der Altstadt über Havanna wacht, fünfzig Palmen zu setzen. Beide sind sichtlich stolz auf ihre Leistung. Und ich kann es gut verstehen.
Als sie hören, dass ich insgesamt drei Monate hier bleibe, kommt als erstes die Frage: „What do you do all day long?“ Mit ungläubig grossen Augen. Und ich muss gestehen, ich frag mich das ja auch ganz oft. Und oft plätschert der Tag einfach so dahin. Und es stört mich häufig gar nicht. Ich finde das Nichtstun gar nicht so übel. Das möchte ich den eifrigen Palmensetzern aber so nicht offenbaren. Als sie hören, dass ich mein Velo dabei habe und häufig damit unterwegs bin, sind sie irgendwie beruhigt. Sie fragen dann doch noch, ob ich in der Nähe eines Strandes wohne. Das muss ich leider verneinen. Es tönt so, als wäre das Paar gerne am Strand. Darum mache ich sie darauf aufmerksam, dass ganz in der Nähe von Havanna ein schöner Strand ist. Die Antwort des Mister America: „Oh, we are not interested in the beach. We are here to help.“
Als hätte Kuba jahrzehntelang auf zwei Amerikaner gewartet, die fünfzig Palmen setzen! Ich frage mich, was das Paar wohl zuhause erzählen wird. „We helped the people, oh it was so great“, kommt ganz bestimmt darin vor.
Ich weiss nicht. Darf ich mir anmassen, dieses Paar als „typisch amerikanisch“ abzustempeln? Und zwar im negativen Sinne? Dass der Herr dann auch noch meint, Obama könne das Embargo sicher rasch aufheben und dass das Embargo eigentlich nur noch bestehe, weil so viele Exil-Kubaner gegen die Aufhebung kämpfen, verbessert mein Bild nicht.
Aber äbe. Was weiss ich wirklich? Die Geschichte wird es zeigen.
Und wer weiss, vielleicht spazieren schon bald haufenweise Amerikaner im Schatten der fünfzig Palmen und freuen sich, dass sie ihre Vergnügungsinsel zurück haben.
