Freitag, 11. März 2016

Waschen, pflegen, trainieren

Sonntag, 6. März 2016

Eines der ersten Geräusche heute morgen ist das Herumschieben der russischen Waschmaschine vor meinem Zimmer. Aha, es wird gewaschen. Das trifft sich gut. Also nix mit Ausschlafen. Auch wenn Sonntag ist. Easy. Saubere Wäsche ist mir im Moment wichtiger.
Den grössten Teil des Morgens verbringe ich damit, beim Waschen zu helfen, wenigstens ein bisschen. Es macht jedoch den Anschein, dass ich nicht wirklich gebraucht werde (werden kann...?). Immerhin: Beim Aufhängen darf ich die Kleider aus dem Kübel nehmen, auswringen und dem Aufhänger hinhalten. Das Beste daran: Die Kleider werden auf dem Dach aufgehängt. Und hier ist viel Sonne. Wahrscheinlich bin ich die einzige Person in diesem Dorf, die sich freut über die Hitze. Ich finde es einfach wunderbar, Hitze und Sonnenschein auf meinem Körper zu spüren. So ist es nicht verwunderlich, dass ich nach dem Waschen gleich auf dem Dach bleibe und lese. Es ist ein fantastisches Buch, das ich gerade lese. Herzlichen Dank an dieser Stelle an meinen Bruder, der es mir empfohlen hat!!
Den Nachmittag verbringe ich mit Mani- und Pediküre. Gestern habe ich nämlich endlich Nagellack-Entferner gefunden. Das nennt sich hier Acetona. Und ich kann nicht anders, als mich jedes Mal beim Verwenden des Azetons an meinen Chemie-Lehrer im Semi zu erinnern, der uns einimpfte: „Immer sparsam umgehen mit Azeton“. (Sändle, falls du hier per Zufall mitliest, erinnerst du dich?)
Nachdem die gefühlten sieben Farbschichten von meinen Nägeln entfernt, die Nägel poliert und meine Füsse den Schmutz der Strasse losgeworden sind, hab ich nichts mehr zu tun.
Wie schön, dass es auch Y. ein wenig langweilig ist. So beschliessen wir, in der Bombonera ein paar Runden zu joggen und dann ins „Fitness-Center“ zu gehen. Y. stählt seine Muskeln normalerweise mit Liegestützen und einer eisernen Hantel zu Hause oder auf einem Platz, auf dem ein paar vorsintflutliche (und trotzdem effiziente) Kraftgeräte stehen und herumliegen. Das nächste Mal, wenn ich mitgehe, muss ich unbedingt ein Foto machen.
Heute jedoch „trainieren“ wir mit recht modernen Geräten, die gleich im Park neben der Bombonera stehen. Sie sind gelb, rot und blau gestrichen und ich habe eigentlich immer gemeint, dass es Kinderspielplatz ist. Doch heute werde ich eines Besseren belehrt. Zwar wissen wir beide nicht so genau, wie das Zeugs funktioniert, finden aber schnell heraus, welche Muskeln ungefähr wie beansprucht werden. Während ich auf allen Geräten einfach mal ein wenig spiele und nicht wirklich trainiere, gibt Y. Volleinsatz. Auch er ist zum ersten Mal hier und findet es super. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass er hier ist und ich wohl auch nicht. Es scheint mir eine gute Möglichkeit, die Monotonie, die in La Muralla entstehen kann, zu durchbrechen. Zudem hat mir eine Freundin ein schönes Zitat gesendet, in dem es darum geht, heraus zu finden, was mich lebendig macht. Und mich bewegen, meinen Körper spüren, auch wenn es manchmal ein bisschen anstrengend ist, macht mich extrem lebendig. Nice!