Montag, 4. April 2016
Das Frühstück im Haus von Maritza und Galixto ist einfach immer super! Und da es meinem Magen wieder tiptop geht, hau ich so richtig rein. Da heisst, ich trinke vor allem viel. Nebst zwei grossen Gläsern Wasser trinke ich auch drei Tassen Kaffee und ein kleines Glas Saft. Flüssigkeit hätte ich also schon mal genügend im Speicher.
Wirklich gut hab ich das jedoch nicht durchdacht. Denn schon kurz nach Trinidad meldet sich meine Blase. Das ist jetzt doch ziemlich doof, denn ich kann ja nicht einfach mal kurz am Strassenrand anhalten und im wahrsten Sinne des Wortes die Hose runterlassen. Und Leute, ich sage es euch, für Velofahrerinnen gibt es echt wenige Möglichkeiten, geschützt „auszutreten“. Heute wird mir das schon fast schmerzhaft bewusst. Nach mehr als zehn Kilometern entdecke ich endlich ein Gebüsch, das sich eignet. Mehr oder weniger jedenfalls. Ich bin jedoch soweit, dass es mir auch fast egal wäre, wenn jemand meinen weissen Allerwertesten entdecken würde.
Nun, ich glaube, das Pferd, das neben mir am Grasen ist, stört sich nicht an meinem kleinen Geschäft und sonst ist niemand unterwegs. What a relieve! Merklich erleichtert fahre ich nun unbeschwert weiter.
Es kommt mir ein kanadisches Ehepaar entgegen. Wir plaudern ein bisschen und sie wünschen mir gute Weiterfahrt. Jedoch nicht, ohne vorher noch ganz mütter- und väterlich zu fragen, ob ich denn nichts brauche („you have water and food?“) Dankedanke, alles bestens. Herzig die zwei.
Nur kurze Zeit später stehen zwei ältere Herren am Strassenrand. Ich halte auch hier. Schliesslich habe ich heute viel Zeit. Ich bin früh gestartet und es sind keine achtzig Kilometer bis nach Sancti Spíritus. Also plaudere ich auch mit diesen zwei kuriosen Vögeln. Beide sind um die siebzig, beide heissen Bernd und waren schon in anderen Ländern mit dem Velo unterwegs. Wie und wo sie sich hier in Kuba getroffen habe, kapiere ich nicht so genau. Der eine Bernd, der Herr Dr. Bernd (wie ich später seiner Visitenkarte entnehme) macht fleissig Fotos von unserer Begegnung. Noch besser gelaunt wird er, als „meine“ zwei Belgier auftauchen. Ich bin auch grad besser gelaunt. Denn irgendwie finde ich die „Aha, du bist Schweizerin – Grüezi“-Sprüche (und alles mit scharfem R) nicht mehr lustig.
Während der Dr. Bernd nun fröhlich auf die Belgier einredet, erzählt mir der andere (eigentlich ganz sympathische) Bernd von seiner Velotour Tessin-Gotthard-Susten-Brünig-Luzern. Das war vor zwei Jahren und ich bin beeindruckt, dass der diese Pässe gefahren ist. Da der Gotthard schon lange auf meiner Liste steht, frage ich ihn, wie der denn so zu fahren sein. Seine pragmatische Antwort: „Der ist ganz schön zum Schieben. Aber das dauert nicht lange. Nach zwei, drei Stunden war ich da schon oben. Dann zwanzig Minuten runter nach Andermatt“. Momoll, der Herr kennt sich aus. Nur die Schöllenen bezeichnet er versehentlich als Höllenen. Aber das ist ja auch nicht so abwegig.
Nach einem Gruppenbild für den Dr. Bernd und eines für den anderen erhalten wir netterweise auch noch die Visitenkarte von Herrn Dr. Bernd, damit wir ihm unsere Fotos senden können.
Öh, nice?
Wir fahren zu dritt weiter und das funktioniert prima. Ich bin zum ersten Mal in einem Velogrüppli unterwegs. Luc und Filip haben schon die halbe Welt mit dem Fahrrad befahren und kennen sich prima. Jeder fährt sein Tempo, von Zeit zu Zeit warten sie aufeinander. Ich fühle mich wohl mit den beiden Männern und mein Tempo passt prima zu den ihrigen. Gemeinsam geniessen wir die gemütliche und schöne Route nach Sancti Spíritus. Dass wir heute keine achtzig Kilometer machen, stört niemanden von uns.
Wir finden ein schönes Haus mit genügend Zimmern für alle. Und das Schönste: Wir haben eine wunderschöne Terrasse, die sich hervorragend eignet, um Bier zu trinken. Was wir denn natürlich auch sofort tun. Die einen ein bisschen mehr als die anderen.
Sancti Spíritus stellt sich als überraschend schönes Städtchen heraus. Nach ein bisschen Sight Seeing leg ich mich ein bisschen ins Bett, dann schreibe ich ein bisschen, dann plane ich ein bisschen meine Weiterreise, dann trinke ich noch ein bisschen Bier (in Gesellschaft der Herren Belgier) und dann gibt's Znacht.
Für mich ist Feierabend.
Die zwei Belgier versuchen glaub noch herauszufinden, ob ihnen das kubanische Bier schmeckt, oder sie dann doch lieber mal wieder ein belgisches trinken möchten.