Samstag, 16. April 2016
Heute ist mein letzter „grosser“ Velotag. Ich fahre von Baracoa zurück nach San Cristóbal. Die ersten rund 30 Kilometer fahre ich auf der Autobahn, wie schon die Strecke von Havanna nach Baracoa. Irgendwie amüsiert es mich, mit dem Velo auf der Autobahn unterwegs zu sein. Und ich bin ja auch nicht die einzige Velofahrerin. Immer wieder taucht irgendwo ein Velo auf. Oder Ross und Wagen, Traktoren. Meistens in Fahrtrichtung. Manchmal auch als „Geisterfahrer“. Wirklich gefährlich wirkt es nie. Viel Verkehr hat es nicht und es scheint, dass die dreispurige Autobahn eh dafür vorgesehen ist, dass auf der rechten Spur Kreti und Pleti unterwegs sein dürfen. So also auch an ich. Am Strassenrand stehen immer mal wieder Leute, die auf eine Transportmöglichkeit warten. Im Schatten der Bäume sitzen Menschen, ab und an parkt ein Auto auf der rechten Spur. Auf den ersten zwanzig Kilometern fahre ich an drei Pannenfahrzeugen vorbei. Immer liegt einer unter dem Auto und repariert etwas, während die zahlreichen Passagiere daneben stehen und auf die Weiterfahrt warten.
Ich finde es schön, mehr oder weniger ungestört fahren zu können. Einfach nichts denken und trampen. Doch irgendwie ist es auch langweilig. Und ich habe Hunger. In nächster Zeit ist keine „Raststätte“ in Sicht, also verlasse ich die Autobahn in Guanajay und fahre zur Abwechslung mal wieder mit Gegenwind bis ins nächste Dorf.
Gestärkt mit Brot, Tortilla und Schinken mache ich mich auf die Weiterfahrt. Es ist halt schon spannender, an Häusern, Tieren und Menschen vorbei zu fahren, als einfach nur auf der Autobahn zu brettern. Ich geniesse die Fahrt bis nach Artemisa. Dort mach ich einen kurzen Boxenstop und dann gehts an die letzten vierzig Kilometer. Diese Strecke ist ja nicht neu für mich. Trotzdem geniesse ich die Fahrt sehr. Ich habe meistens Rückenwind, die Sonne scheint.
Um 13.00 Uhr fahre ich „zu Hause“ in San Cristóbal ein. Und ich muss sagen, es fühlt sich wirklich ein bisschen an wie nach Hause kommen. Hier kenne ich mich aus, ich weiss, wo die Schlaglöcher am grössten sind, welchen Wasserlachen ich wie ausweiche und auch, wie ich das ewig klemmende Tor meiner Gastfamilie aufstossen kann.
Nach drei Wochen on tour geniesse ich es nun, dass ich mich frisch geduscht an den gedeckten Tisch setzen kann und es endlich (!) mal wieder Reis und Bohnen gibt.