Sonntag, 10. April 2016

Eine Fahrt mit dem Cabriolet

Sonntag, 27. März 2016

Kaum bin ich aus Havanna zurück, fahre ich auch schon wieder dorthin. Heute jedoch mit dem Velo. Also, mit dem Velo auf einer Camioneta. Y.'s Onkel nimmt mich mit.
Um 15.30 Uhr holt er mich ab. Wir verladen mein Velo auf die Ladefläche der offenen Camioneta. Mit dem Gummizug befestige ich es und es scheint ganz gut zu halten. Und falls nicht, bin ich ja auch hinten auf der Ladefläche und kann es festhalten.
Nun geht's daran, die restlichen Leute einzusammeln. Denn mit mir und meinem Velo reist noch die halbe Sippe des Chauffeurs und des Onkels nach Havanna. Nach einer guten Stunde Hin- und Herfahren im Dorf haben wir alle aufgeladen. Auf den vier Sitzen, die provisorisch auf die Ladefläche gestellt wurden, sitzen sechs Leute (ich gehöre zum Glück auch dazu). Die restlichen vier Leute müssen mit dem Boden oder einer Werkzeug-Kiste vorlieb nehmen.
Am liebsten würde ich ein Foto von uns machen (doch ich getraue mich nicht). Denn es ist schon etwas ungewöhnlich, mit einer solchen Gesellschaft zu reisen. Für mich jedenfalls. Für die Kubaner scheint nicht viel Ungewöhnliches daran zu sein. So ist es wohl auch ein Tourist, der uns auf der Autobahn aus seinem Auto heraus fotografiert. Zehn Leute auf einem offenen Lieferwagen, ein Velo und viel wehendes Haar ist bestimmt ein schöner Blickfang.
Ich entdecke auf der Fahrt jedoch noch viel Ungewöhnlicheres (für Schweizer Massstäbe). Auf dem Mittelstreifen der Autobahn wartet ein Kutscher mit Pferd, dass er die Autobahn überqueren kann. Dann überholen wir einen altersschwachen Traktor. Kurz darauf überholen wir ein Motorrad. Papa fährt, Mama sitzt hintendrauf und zwischen ihnen sitzt das Baby und schläft friedlich. Ebenfalls ein schönes Sujet ist der Töff mit Seitenwagen. Im Seitenwagen fährt eine Waschmaschine mit.

Entgegen ersten Befürchtungen kommen wir heil in Havanna an. Nachdem alle Leute nach Hause chauffiert wurden, komme endlich auch ich „zu Hause“ an; wieder bei den Grosseltern, die netterweise mit dem Znacht auf mich gewartet haben.
Einzige negative Auswirkung meiner Cabriolet-Fahrt ist mein Haar-Desaster. Dummerweise habe ich sie nicht gut zusammengebunden und durch das ganze Rumgeflatter hab ich nun ein regelrechtes Nest auf dem Kopf, das sich nur unter Tränen kämmen lässt.
Danach bin ich fix und fertig und gehe schlafen.