Sonntag, 10. April 2016

Unterwegs mit Manteca

Samstag, 26. März 2016

Nach einer Nacht bei den Grosseltern, drängt Y.'s Schwester zur Heimreise. Sie erträgt ihre Grosseltern nicht so gut. Ich finde sie ganz nett. Die Grosseltern, meine ich. Aber natürlich auch die Schwester.
Kurz nach dem Mittagessen, zu dem wir quasi verpflichtet werden, da wir ja gestern schon nichts Znacht gegessen haben (Grosseltern halt...), machen wir uns auf den Heimweg.
Und wir haben grosses Glück. Im Bus, der uns zur Puente 100 bringt, können wir sitzen.
An der Brücke angekommen, fährt schon bald ein Nachbar vorbei, jedoch im vollbesetzten Auto. Kein Platz für uns. Aber wir sind früh dran, no panic. Und siehe da, kurz darauf braust eine grüne Camioneta an uns vorbei. Y. und Y. winken, hüpfen, pfeifen und schreien, was das Zeug hält. Und tatsächlich hält der Wagen. Nach kurzem Sprint in der nachmittäglichen Karibik-Hitze kommen wir beim Lieferwägeli an. Es sind Freunde aus San Cristóbal, die auf dem Heimweg sind. Das ist wunderbar.
Nicht ganz so wunderbar ist die Ware, die die Freunde nach San Cristóbal transportieren. Offensichtlich haben die Männer in Havanna Schweinefleisch verkauft. Das Schweinefett (Manteca) ist in Havanna wohl nicht gefragt. In den Dörfern jedoch schon. Hier wird an jeder Ecke Manteca angeboten. Also führen die Männer in ihrem antiken Lastwägeli rund 600 Kilogramm Manteca mit sich. In grobmaschigen Kartoffelsäcken und selbstverständlich ungekühlt.
Wie gesagt, es ist ein heisser Tag. Entsprechend ist der Geruch im Auto. Da hilft es auch nicht viel, dass sämtliche Fenster geöffnet sind. Wieder mal denke ich an die Wirteprüfung, an Kühlketten und an Mikroorganismen, die sich rasch vermehren.
Aber egal. Nach einer Fahrt im Zuckerrohr-Camion komme ich so in den Genuss einer Fahrt in einer „Manteca-Camioneta“.
Ganz so übel ist es übrigens nicht. Oder ich bin einfach schon brutal abgehärtet.
Am Abend esse ich jedenfalls Schweinefleisch. Und es schmeckt äusserst gut.