Sonntag, 10. April 2016

Wieder mal in Havanna

Montag, 28. März 2016

Ich werde einfach nicht müde, immer wieder durch Havanna zu spazieren. Und offenbar gefällt es auch Y. Der ist nämlich heute Vormittag nach seiner Arbeit ebenfalls angereist und wir machen uns gemeinsam auf, ein bisschen Tourist zu sein. Zudem wollen wir ja immer noch einen Hamburger in diesem sagenhaften Restaurant geniessen.
Nun.
Nachdem das Hamburger-Restaurant beim letzten Besuch keine Hamburger mehr hatte, ist es heute ganz geschlossen.
Okee.
Dann halt nix mit Hamburger.

Später am Nachmittag treffen wir auf eine Protestaktion in Centro Havanna. Wir werden darauf aufmerksam, weil sich um zwei Menschen eine grosse Menschentraube angesammelt hat. Der grösste Teil der Zuschauer filmt das Geschehen mit dem Handy. Was hier wohl vor sich geht? Beim Näherkommen meine ich zuerst, dass hier ein Humorist am Werk ist. Ein Kubaner hat sich aus Futtersäcken ein Kleid gebastelt. Über seinen Mund hat er ein Klebeband befestigt. Vor ihm steht ein Polizist und filmt ihn. Für mich sieht es so aus, als ob die zwei ein Team sind, die auf Missstände in der Regierung aufmerksam machen wollen. Der „Futtersack-Mann“ steht einfach da und weist immer wieder auf den Text auf seinem Kleid.
Ich realisiere, dass der Polizist mitnichten zur „Show“ gehört. Warum er das alles filmt, weiss ich jedoch nicht. Beweismaterial?
Auf dem Gewand des Kubaners steht übersetzt: „Die Regierung hat mir mein Bicitaxi weggenommen. Nun habe ich weder Arbeit noch Essen.“
Der Polizist fordert Verstärkung an. Nach kurzer Zeit kommt ein zweiter Polizist. Zuerst sieht es so aus, als wollten sie mit dem Mann reden und ihn dazu bringen, seine Aktion abzubrechen. Doch der Kubaner denkt nicht daran. Als die Polizisten ihn packen wollen, legt er sich auf den Boden und versteckt seine Arme unter sich.
Die zwei Polizisten wirken irgendwie hilflos.
Dann, und nur mit grösster Mühe und Not und unter dem lauten Gezeter der Menschenmassen können die Polizisten den Protestierenden hochheben und wegtragen. Die Menschentraube geht hinter ihnen her, immer noch alles filmend.

Filmend.

Ich bleibe mit gemischten Gefühlen zurück.